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Echo

Die Verleihung des Echo in Berlin. Hallo Berlin! Jubel! Krankameras schwenken und zoomen in die Menge, aus der Menge, in die Menge, die ist doch nicht echt, oder? Alles zoomt und jubelt. Pocher labert, Silbereisen, der 'Volks'musikant öffnet einen Umschlag und - hallo Berlin - hat wieder ein geklonter Idiot die Trophäe in der Hand. Sascha singt, zoom, leuchtende Aura aus der Werkstatt der Computeranimation, zoom, Jubel! Hallo Berlin! Ein künstlicher Ministerpräsident zieht die Lederjacke an, Udo ist auch da, Pocher redet von den deutschen Charts, vom klassischen Markt, ja, Pop goes Classic. Tenöre knödeln Schlager, Paul Potts kriegt den Echo, der ist wenigstens echt und hat eine schöne Frau, die nicht aussieht wie next Kotz-Model Marke Klump. "Virtuoses Geigenspiel gepaart mit blendendem Aussehen" sagt der Moderator, und wir sehen den 'wilden' Blondschopf David Garrett oder so ähnlich, den Popstar mit Mikroport, Geigensimulation und Schlagzeug-Knalleffekten...

abwracken

Die Kulturkrise erfordert neue Regeln. Die Stadt Köln zahlt Prämien und Zuschüsse an die Theater, die alle alten, überholten Formen verschrotten, wie Schauspielerei, Sprache, Emotion, Rollenspiel, um nur einige zu nennen. Die Theater bekommen eine Prämie, die sich ausschließlich den neuen Formen widmen, Matsch, Mischpulte, Halbnackte, Blut, Video-Projektionen, Bedeutungstanz und Performance, um nur einige zu nennen. Spitzenzuschüsse gehen darüber hinaus an die Theater, die klassische Stücke auf der Bühne in Holzschnitte verwandeln können oder dem Publikum eine Einschlafhilfe bieten. Ein einfaches 'Gut gemeint' ist ebenso Ausweis genug, nicht zu vergessen die städtischen Sonderprämien für Migration und Jugend oder herumwandernde Kinder, oder so. Dann: Gute Nacht

Zinnober

Roter Planet Gestern haben drei Herren ein Universum bereist, in dem sie sich lange nicht aufgehalten hatten. Ziel: Zinnober. Der rote Planet. Menschen sind mitgeflogen. Kurs:  0:10, Vorbei  an der Dame in Rot ,  Drunter und Drüber  mit dem  Kind im Manne  -  zwischen Kugel und rund durch den  Schnee von gestern . Im Alten Pfandhaus wurde ein ausverkaufter Saal in den Kosmos geschickt.  Zuckerlos schwarz . Ein Konzert, das unaufhaltsam wurde. Und schön für die drei Astronauten, die in eine funkelnde Stille blicken durften. Wir kamen davon und zu uns. Das Vibraphon vibrierte, die Gitarre verzupfte die Zeit, Durch die Kälte wurde gesungen bis der rote Planet glühte. Eine gute Konstellation mit dem Publikum. Ein schöner Abend. Danke. Wir denken wir machen das nochmal und melden uns dann wieder. Clemens Dreyer, Albrecht Zummach, Joe Knipp Zinnober forever .

Auto Kultur

Atom, Auto, Pharma.  Immer weiter. Exportweltmeister. Es ging immer weiter. Ein paar Windkrafträder, zugegeben, gab es auch, wir hatten ja rotgrün. Aber keine Panik. Es ging weiter. Holzmann, Gazprom, Opel. Milliardenpakete, in denen nichts drin war. Überweisungen, die ins Leere gingen. Die Finanzkrise  ist dann ausgebrochen wie eine Naturkatastrophe. Seitdem heißt es, wir brauchen mehr Kontrolle. Und Milliardenbürgschaften. Aber: Keine Panik, die Wirtschaft wirtschaftet weiter. Die Wirtschaftskrise  ist dann ausgebrochen wie eine Naturkatastrophe. Seitdem heißt es, wir müssen steuern. Der Staat muss helfen, Milliarden für die Autoindustrie, Hilfe für die Anschaffung von Neuwagen. Aber: Keine Panik, wird schon wieder. Geht schon weiter. Die Rezession  ist dann ausgebrochen wie eine Naturkatastrophe. Aber: Keine Panik. Der Arbeitslose muss sich nur einen Neuwagen kaufen. Dann kann er 2500 € sparen. Und er muss weniger zahlen für Steuern. Aber mehr für Strom, Gas, ...

neues Jahr

Da ist es ja schon, das neue Jahr! Etwas gewachsen und schon erkaltet. Klimawandel, sagt es und lächelt. Weltfrieden? Ein kurzes Lachen und es schlägt den Nahen Osten blutig. Wir sind noch lange nicht am Ende. In der Zwischenzeit: Geht ins Theater. Oder zu  ZINNOBER . Liebeslieder ohne Wunderkerzen.

Schöner Tag

Einpacken, auspacken. Die Kinder laufen herum, reden und freuen sich. Der Familienhund seufzt und schläft. Der Großvater schenkt Sekt ein und lächelt, die Großmutter will in der Küche in Ruhe arbeiten und serviert Kartoffeln, Sauce, Fleisch, es schmeckt. Pause. Der Vater liest, die Tochter liegt, der Hund schläft. Der Großvater macht Tee und lächelt. Alle trinken Tee nur einer trinkt Kaffee, der ist noch neu. Kuchen und reden. Der Hund wedelt mit dem Schwanz. Aufbruch. Ein schöner Tag ohne Probe, ohne Termine, ohne Fernsehen mit einer Familie, die zusammen ist.

Die Bibel

Zu Weihnachten  laufen im Fernsehen  die Filme die immer laufen  und die Filme, die dem mit Gans, Schwein, Kuchen und Alkohol vollgestopften Zeitgenossen noch zusätzlichen Schweiß auf die Stirn treiben. Pferde, lachende Räuber, singende Kostüme, sinkende Riesenschiffe mit Frauenchor, Geigen, Bläser, das volle Lärmprogramm von Schüssen bis Explosionen und schließlich die Blicke und Blicke und das Ringetauschen und die Tränen und die Intrigen vor wilden Meeren und Landhäusern im Grünen. Nichts zu machen. Der Gipfel aber zu später Stunde auf RTL. Wo sonst.  Die Bibel , weniger geht nicht. Und die ganze Bibel rollt nicht mit Zwanzigtausend Komparsen und einem Sandalenträger auf uns zu, das ginge ja noch, sondern in Gestalt von Ben Becker. Ben Becker , der Durchgeknallte, liest mit zitternder, von Rauch und Alkohol verwöhnter, bedeutungsschwangerer Stimme, mit Schweiß auf der Stirn, unter Videospielereien und begleitet von einem riesigen, bedeutungsschwangeren Orcheste...