Montag, 6. April 2020

Kulturmagazine in der Krise

Wie so oft, habe ich auch heute in 3sat die "Kulturzeit" gesehen - und dachte, ich höre nicht richtig. Kulturmagazine sollten doch über Kultur berichten, stattdessen wird in einem hoch-alarmistischen Ton über ein versprengtes Häufchen berichtet, das in Berlin unbedingt für Freiheitsrechte demonstrieren muss, während alle Menschen langsam begreifen, dass Freiheit die Freiheit bedeutet, Verantwortung für andere zu tragen. Diese klugen Menschen bleiben zu Hause und im besten Falle sorgen sie sich und helfen. 

‚Kulturzeit’ dagegen muss skandalisieren. Unbedingt diejenigen zum Thema machen, die genau diese Art von neugewonnener Freiheit nicht begreifen wollen, die unbedingt der Vernunft widersprechen müssen, die es natürlich besser wissen, wie Trump, Bolsonaro und Lukaschenko („Sehen Sie hier einen Virus in der Luft?“), das Virus ist harmlos, alles Panikmache, der Staat will uns im Handstreich die Grundrechte rauben. Die Bundesrepublik wird zur Diktatur. 

Wieviel Blödsinn müssen wir eigentlich noch ertragen, diesmal unter dem Etikett "Kulturberichterstattung", Reichsbürger-Gequake auch noch aus diesem Spektrum? Ich verzichte. Als Kulturschaffender schäme ich mich für einen solchen Beitrag. Die Dummköpfe, die klingen wie alle andere Idioten, jede Realität leugnend, die Pandemie leugnend, die Toten leugnend, sie bekommen hier eine Plattform. Fast die gesamte Bevölkerung dieses Landes unterstützt die Maßnahmen der Regierung zum Schutz ihrer Bürger, ich bin froh darüber. Wir werden aus der Krise lernen. Die Fernsehmagazine auch? Ich bin nicht sicher.

Samstag, 21. März 2020

Corona als Scharfzeichner

Gerade in einer so tiefgreifenden Krise wie der gegenwärtigen, sieht vieles so aus, als könnten wir es durch die Lupe betrachten.

Ob wir dadurch klüger werden? DANACH sehen wir weiter. Wir sehen heute schon anders auf die Welt, auf die Dinge, auf die Menschen. Auch uns selbst können wir anders sehen. Wer sind wir, wie sind wir? Größer, unbeweglicher? War ich vorher schon. Leiser? Rücksichtsvoller? War schon immer schwierig. Wir, eine gewisse Generation, konnten sich einer gewissen Grundfreiheit immer sicher sein (Sex, Drugs and Rock 'n Roll). Ob die Jungen in Zukunft ein Grundgefühl von Unsicherheit nicht mehr loswerden können? Ich hoffe nicht. Der Himmel jedenfalls ist ohne Kondensstreifen blauer denn je. Es ist stiller, die Amsel pfeift lauter. Selbst die Alptraumschiffe, hören wir, stellen ihre Kreuzzüge ein. Die Menschen halten Abstand. Die Lagune ist wieder blau.

Schauen wir aber ins Netz, ist alles wie immer. Die Situation kann noch so so dramatisch sein, das Netz geht auch noch 'viral', mit Verschwörung, dummen Kommentaren, braunem Sumpf. Spätestens jetzt müssten wir verstanden haben, wir sollten anders denken, sprechen, abwägen. Wir sollten unser Verhalten doch noch ändern. Zum Beispiel: zu Hause bleiben. Übrigens: Was an diesem kurzen, recht simplen Satz hattet ihr da nicht verstanden, ihr verdammten Dumpfbacken? 
Lange noch "feierte" die Party-Generation weiter. Es gäbe sowieso zuviel Alte. Lasst sie sterben. Außerdem sagt Doktor Fake: Alles Panikmache. Daher wähnten sich Teile der Comedy-Generation in Ferien. Sie hörten keinen Schuss, sie tranken ihn. Ihr Idioten!
Ich darf mich nicht so aufregen. Positive Gedanken stärken die Abwehrkräfte.

Fakt ist: Die Franzosen decken sich mit Wein ein, die Deutschen mit Klopapier. Erst klang es wie ein Witz, jetzt wissen wir: Die Krise bringt auch den Charakter eines ganzen Volkes zum Vorschein. 
Wir sehen hinter die Kulissen und durch die Lupe und es zeigt sich, mit welchen Defiziten und Krankheitssymptomen unsere Gesellschaft schon lange gelebt hat. Hashtag SocialDistancing. Alle müssen zusammenrücken. Abgesehen von diesem Widerspruch relativiert sich ein Begriff wie "Zusammenhalt" mehr und mehr, denn die Realität der Verarmung öffentlichen Lebens wird offenkundig. Die Räume werden enger. Sichtbar enger. Theater und Bars geschlossen. Ausgangssperre... Grenzen zu, die Diktatoren in Europa greifen nach der Macht. 

Die Frage stellt sich: Was ist neu, was ist anders?
Trump lügt. Wie immer. Und setzt die Gesundheit eines ganzen Volkes aufs Spiel. Journalisten in China 'verschwinden‘. Zudem treten auf verschiedenen Ebenen die Konsequenzen kapitalistischen Wirtschaftens schärfer hervor. Etwa durch die Sparmaßnahmen im Gesundheitsbereich.

Das Virus kann aber auch helfen, Probleme zum Verschwinden zu bringen.
Beispiel: Mönchengladbach. Nein, nicht die Stadt. Fußballspiel ohne Fans. Ist erst eineinhalb Wochen her. Nur Sponsoren, Eigentümer und Spielerfrauen klatschen im Stadion noch Beifall. Der Widerhall des Geldes im leeren Rund der Arena. Die Kritik am DFB, noch wenige Wochen zuvor das Thema in allen Stadien, ist nicht mehr zu hören und zu sehen. Dann wird der Ligabetrieb eingestellt. Die Fans sind ganz abgeschafft.
Und ich merke gerade, nach anderthalb Wochen ist es mir fast vergangen, darüber witzige Bemerkungen zu machen, aber nur fast.
Überhaupt verändert sich die Perspektive von Tag zu Tag. Und das ist ein positiver Faktor.

Was ist mit der Kultur jenseits der großen Arenen, jenseits der Fußballkultur? Auch hier ein dreifach donnerndes Hurra! Für den Tod der Kultur ist endlich keine Kulturverwaltung mehr zuständig, kein Großkonzern und kein Algorithmus. Dieser allgegenwärtige Tod wird im Lichte des Virus nur sichtbarer.
Und auch hier ist etwas Positives geschehen. Hilfen für "Solo-Selbstständige" werden genehmigt und überwiesen. Jeder, der schon einmal mit Kulturförderung zu tun hatte, ist geschockt und kämpft mit seinem schlechten Gewissen. Hier kann etwas nicht stimmen. Und der Verwendungszweck?

Zurück zur Realität. Theateraufführungen und Konzerte sind abgesagt. Flächendeckend. Es gibt ja Alternativen, heißt es. Der Kultursenator von Berlin gibt den Tipp, man könne ja zuhause streamen.
Genau. YouTube statt Theater. Videoprojektionen ohne Schauspieler und ohne Publikum. Aber auch hier stellt sich die Frage: Was soll da anders geworden sein? Die meisten Performer setzen das Theater schon lange mit flacher Bebilderung jedes Stoffes außer Kraft und sorgen für einen natürlichen Rückgang der Zuschauerzahlen.

"Nicht notwendig". Schluss mit Shakespeare und Tschechow. Das ist manchem Theater, das nicht ‚multimedial performen‘ will, auch schon ohne Virus klar gemacht worden.
Wofür brauchen wir in Zukunft überhaupt noch Theater? Nur die für den Tourismus interessanten Objekte sollten überleben. Musicaldom und Elbphilharmonie.
Aber vielleicht wird auch das ganz anders bewertet werden - DANACH. Immerhin ist in das Bewusstsein gedrungen, dass Kunst und Kultur nicht von Immobilien, sondern von vielen Künstlerinnen und Künstler in diesem Land gemacht wird. Ohne sie stehen die großen Tempel in Zukunft leer.

Und die allgemeine Bildung? Die Schulen werden geschlossen. Die Kinder lernen ‚viral’. Vorteil: Dann spielt der baufällige Zustand der Schulen keine Rolle mehr. Nachteil: Am Bildungsstand ändert sich nichts. Die Kindern brauchen eine Lernsoftware - die fehlt - oder es fehlen die Lehrer, die sie erklären - oder es fehlt das WLAN. Also: YouTube erklärt die Welt. Wie immer. Oder werden wir in der Krise auch aus der Bildungskrise Lehren ziehen? 

Für die Risikogruppen über 65, die ohnehin zuhause bleiben müssen und mit so etwas wie Bildung schon abgeschlossen haben, gibt es immer noch das ZDF. Die Flügel „Schlager“ und „Volksmusik“ unter Führung von Florian Silbereisen, werden zwar als Verdachtsfälle beobachtet, dürfen aber den Virus ‚Dummheit‘, plus CO2-Ausstoß (Traumschiff-Virus) weiter befördern. Impfstoffe sind bekannt, kommen aber nicht zum Einsatz. Im Gegenteil. Der "Sturm der Liebe" wird das geistige Klima noch stärkerer verdunkeln. Wie heißt es so schön: Da helfen keine Pillen. 

Und politisch? Was ist neu, was ist anders? China reagiert mit Totalüberwachung. In Russland bekommt der Diktator noch zwei Amtszeiten - alles wegen unsicherer Zeiten. Auch hier: alles wie immer. Und die Menschen flüchten auch ohne Virus - einfach vor dem Krieg. Europa schottet sich ab. Mehr als sonst? Ein wenig mehr. Was ist neu, was ist anders? Ach ja, da ist ja noch der amerikanische Horror-Clown.

Über Supermärkte fallen dicke Familien her, bis alles leer steht. Alle Hamster sind verschwunden. Kleine Einkaufswagen vor sich herschiebend, gefüllt mit Mehl und Toilettenpapier, fragen sie sich, warum alle so böse sind. Alle auf der Flucht. Alles in Panik. Alles wie immer. Nur schärfer.

Samstag, 14. März 2020

Naidoo und kein Ende

Jetzt sind alle wieder ganz erschrocken und tun so, als wäre alles überraschend und neu. Dabei war spätestens nach dem Skandal um den Musikpreis 'Echo' klar, dass dumme Musik und braunes Rap-Getöse schon lange die Musik-Industrie prägten. Der ganze Sumpf an halbgaren Verschwörungstheorien, an Rassismus und Frauenfeindlichkeit - Mainstream - auch Naidoo hat nie etwas anderes geschrieben als Quark. Schon 2017 habe ich dazu einen Eintrag geschrieben mit dem Titel: "Xaver, der wütende Bauer". Einfach mal nachlesen. In Popland nichts Neues.

Donnerstag, 5. März 2020

Lasst mich in Ruh mit Känguru

Ja, natürlich, es musste so kommen. Der berühmte, aber alles andere als in die Öffentlichkeit drängende Autor, anders als alle anderen Autoren nicht nur Autor, sondern Autor, Liedermacher und Kabarettist, kamerascheu, nur ein einziges Exklusivinterview gewährend, genauso anders wie seine Figuren, die natürlich ein Eigenleben führen, also alle anderen Interviews exklusiv geben, ihn zurück lassend, denn er ist nur der Autor, der nur liest und Geschichten schreibt und einen Roman schreibt und ein Drehbuch schreibt und Hörbücher macht - der jetzt für sein ‚freches‘ Känguru und dessen Geschichten und dessen Hörbücher und dessen Lesungen auch noch den passenden Film bekommt, der natürlich in jedem Filmmagazin, jedem Kulturmagazin, jeder Nachrichtensendung, jedem Boulevardmagazin, jedem Morgen- und Mittagsmagazin zum Thema wird, mit immer denselben Ausschnitten aus demselben Film, um den Film optimal zu vermarkten, obwohl es doch um ein kommunistisches Känguru geht, aber das kann ja nichts dafür. Das ist durchaus als kommunistisches Känguru dagegen, aber macht alles mit, damit es besser in der Öffentlichkeit stehen kann, um Raum für Agitation und Propaganda... ach nein, das war ja die Wirklichkeit, damals.

Ja damals - ich kann auch nichts dafür. Ich muss es jetzt einmal loswerden: Ich will davon nichts mehr wissen, ich kann es nicht mehr sehen. Ich will von dem Blödsinn nichts mehr hören. Und mit den Klischees des kommunistischen Kängurus kann ich sowieso nichts, aber auch gar nichts anfangen. Denn ich war selbst - das muss ich jetzt auch gestehen - in meinen jungen Jahren auch verschlafen, witzig, kommunistisch, in meinen jungen Jahren war ich das. Ich weiß also wovon ich rede, ich weiß genau wie das war. Und als eines Tages an meiner Haustür ein Känguru klingelte, habe ich ihm eine passende Antwort, aber keine Eier gegeben, und es nicht in die Wohnung gelassen. 

Und dann habe ich geschrieben, inszeniert, gedichtet, Theater gemacht, gesungen, war lustig, hab getrunken und gegen den Kapitalismus gekämpft. War alles nicht so erfolgreich. Aber vielleicht lag das auch daran, dass ich solchen Nazis wie in dem Film, solchen Spekulanten, solchen Schluffis, wie in den Chroniken, nie begegnet bin.
Nur mit dem kommunistische Känguru war ich befreundet.
Und das hat mich so genervt, dass ich schon sehr früh darüber schreiben musste. Das war das Ende unserer Freundschaft.
Denn in Wirklichkeit hatte das kommunistische Känguru keinen Humor.

Ich las ihm vor: „Das Känguru klingelt, ich öffne, das Känguru sagt: Ich will Eierkuchen machen, aber ich habe keine Eier. Ich sage: Dann kauf welche. Es sagt: Ich bin Kommunist. Ich sage: Schau an, ich auch. Aber ich bin ein richtiger. Dann muss ich dich wohl nach der Revolution eliminieren."

An der Stelle musste ich lachen und das Känguru gab mir, ganz humorlos, eins auf die Nase. Zugegeben, eine kurze Freundschaft. Aber Freundschaft ist ohnehin eine bürgerliche Kategorie.
Ich habe dann die Tür geschlossen, meine Nase verbunden, einen Kaffee getrunken und eine Schnapspraline eingeworfen.

Aber so ist das heute. Ich hab es gekannt, ich habe darüber geschrieben, aber meine Geschichte wollte niemand hören. Kein Wunder. Wenn Fack you Göte (oder wird das anders geschrieben?) - schon in Schulen behandelt wird, kann der aufgeschlossene, linksintellektuelle Lehrer mit dem fiktiven Känguru sicher auch noch den Kommunismus erklären.
Das wird genau so komisch. Überhaupt bekommt das linke, traditionell humorfeindliche Sozio-Biotop mit dem Känguru adäquaten Zuwachs. Das Känguru reiht sich ein, hinter "Die Anstalt", Böhmermann, den dicken Drag Queens von Lady’s Night, Bülent Ceylan, Gregor Gysi, Konstantin Wecker und den Toten Hosen. Damit wächst das Feld intellektuellen Humors ins geradezu Unermessliche. 

Freitag, 28. Februar 2020

Karneval 2020

Als Kölner, der den Karneval liebt, habe ich mich in diesem Jahr besonders aufgeregt und auch geschämt.
Der Karneval ist in Köln immer besonders lebensfroh, lebendig, Lieder wie von Ostermann oder den Fööss - nirgendwo sonst gab es das so ausgeprägt. Für lange Zeit, die lange zurück zu liegen scheint.

Denn auch Köln liegt in Deutschland und in Deutschland hat sich in den letzten Jahren vieles verändert.
Karneval ist zur Sauf-Party verkommen, von Musik bleibt ein allgemeines Schalalalala und das übliche Ballermann-Gegröle. Die Sitzungen langweilig, unbeweglich.

Und dann werden zu Beginn der tollen Tage 10 Menschen in Hanau von einem Rassisten erschossen. Die Karnevalisten reagieren auf die aktuellen Ereignisse. Ein besonderer Widerstand gegen den um sich greifenden Faschismus, erlebt hier einen besonderen Auftrieb.

„Aus Worten werden Taten“ - aus einer Faschistenschnauze ragt eine Pistole. Diesen Rosenmontags-Wagen gab es aber nicht in Köln zu sehen, hier sahen wir zwar einen weinenden Dom, der Hanau betrauert, sonst aber blieb alles harmlos wie immer. Und wie üblich wurden besonders in Düsseldorf Wagen gezeigt, die durch Klarheit, Schärfe und politischen Witz bestachen. Vielleicht sollten die Wagenbauer in Köln zur Unterstützung einmal einen scharfzüngigen Satiriker engagieren, um Pfeffer in die Sache zu bringen.

Erregt und wütend ruft Andreas Schmitt aus der Bütt der AfD entgegen: „Ihr nehmt uns die Freiheit nicht... Dieses Land werdet ihr niemals regieren...“. Wo geschehen? In Mainz. In Köln stehen, wie üblich, Stelter und Co. - der Betriebsfest-Humor - auf der Bühne.  Und zum Rosenmontagszug werden ‚Influencerinnen’, eingeladen. Peinlich.

Der erste, kleine Schritt gegen Faschismus und Hass, ist, wie eh und je, Kultur zu zeigen, Kultur zu pflegen. In Köln ohnehin schwierig.
Es ist Zeit, darüber hinaus endlich etwas zu tun. Aber wie oft haben wir diesen Satz schon gehört, ohne dass gehandelt wurde. Daher möchte ich diesmal einfach einen Kommentar zitieren. Von Julian W. Koenig auf der Tagesschau-Seite veröffentlicht: „Ich will nicht mehr schockiert und bestürzt sein. Ich will keine Tränen mehr. Ich will keine Lichterketten mehr. Ich will keine Trauerbekundungen mehr. Ich will Razzien. Ich will Verhaftungen. Ich will die Öffnung der NSU-Akten. Ich will die lückenlose Aufklärung und Zerschlagung rechter Netzwerke in Polizei, Armee und Geheimdiensten. Ich will ein Verbot volksverhetzender Parteien wie der AfD...“ 

So ist es. Das unterschreibe ich.

Aber? Einzeltäter?

Kurz vor Karneval 2020 erschießt ein Rassist 10 Menschen in Hanau. Er redet im Netz von Säuberung und Völkervernichtung, wie so viele. Aber er mordet auch.

Reporter werden vor dem Tatort aufgepflanzt - diese reden sich, wie so oft, um Kopf und Kragen. Nachdem von jedem einzelnen pflichtgemäß der Begriff ‚Fassungslosigkeit‘ fällt, hören wir weiter von einem rassistisch motivierten Täter, aber - so heißt es dann - ABER vielleicht haben wir es auch mit einem Einzeltäter zu tun, der nur geistig verwirrt war. Was heißt hier ‚nur’, was heißt hier Einzeltäter? Was heißt hier ‚ABER‘? Faschismus war und ist immer ein Konglomerat aus wirrem, völkischem, rassistischem Gift, aus Verschwörungen, Hass und Vernichtungsphantasien. Diese Zusammenhänge kennen wir in Deutschland nur allzu gut. Auch Anfang der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts gab es genug Intellektuelle, genug Menschen jüdischen Glaubens, die sicher waren, dieser wahnsinnige Hitler wird nach einem Intermezzo schon bald Geschichte sein. Nach zwölf Jahren lag Europa in Trümmern und Millionen Tote waren zu beklagen. Und heute? Wieder heißt es: Alles Fremde, die Opposition, Flüchtlinge, minderwertige Rassen, alles soll vernichtet werden. Irre. Wie geht es wohl diesmal aus?

„Teile der Menschheit, Milliarden Menschen“ müssen ausgelöscht werden, schreibt der Mörder von Hanau.
„Die Vernichtung der jüdischen Rasse“ schrieb Hitler von Anfang an auf seine Hakenkreuzfahne, die heute wieder auf deutschen Straßen gezeigt wird, während tätowierte Brüllaffen ‚Heil Hitler‘ grölen.
Ihr Heilsbringer Höcke, der Führer für Arme, droht und raunt: „Es ist ein Problem dass Hitler als absolut böse dargestellt wird”.
Und dann schreit er dem dumpfen Pegida-Mob entgegen, man müsse die „Zivilgesellschaft austrocknen“, beklatscht von den armen Irren, die vor dem Karren in Dresden stehen und ihm zuhören. Der Zusammenhang?
Auf einem Karnevalsumzug in der Provinz laufen ‚komische‘ Judenfiguren. Wir schreiben das Jahr 2020.

Anhänger von Verschwörungstheorien, geistig zurückgeblieben, rassistisch, irre, hasserfüllt, gewaltbereit. Zwischen diese Begriffe gehört kein ‚Aber‘. Sie bilden eine Reihe. Hören wir doch hin. „1000 jährige deutsche Geschichte“, „Lügenpresse“ „Umvolkung“ - irre. Die Klimawandel- und Holocaust-Leugner leben nicht in einer realen Welt. Vernunft ist für sie ein Fremdwort. Und sie hassen Menschen, die ihre Lügen durchschauen. Denkende Menschen, Schriftsteller, Journalisten. „Wir jagen sie“, „Ab nach Hause“, „Säuberung“... Aus Worten folgen Taten. Nach dem Bürgerkrieg soll die Machtergreifung folgen.
Es wird geschossen.

Nachlese: Karneval und Gender (ja, auch hier)

Nachdem ich bereits die Reaktionen des Karnevals auf die Bedrohung von Rechtsaußen gelobt habe, muss ein Thema noch nachgeholt werden: GENDER! (Spannungsmusik)

Gunda Windmüller ist eine Frau und sie hat das eigentliche Problem erkannt - Gendergerechtigkeit - auch im Karneval. Alaaf! 
Warum gibt es keine Frau im Kölner Dreigestirn? Ja, warum? Vielleicht wegen Tradition, Parodie, Karneval? Vielleicht wegen Mut zur Hässlichkeit. Aber um solche Dinge geht es schon lange nicht mehr. Es geht nur noch um Prinzipien.

Wenn schon keine Frauen in Aufsichtsräten, dann wenigstens im Kölner Karneval.
In den 30er Jahren musste die Jungfrau in Köln auch schon von einer Frau gespielt werden. Warum? Ein verkleideter Mann galt als widernatürlich. Also haben die Nazis diese Perversion verboten.

Nach dem Krieg schlüpften traditionsgemäß wieder drei Männer in die Rollen von Prinz, Bauer, Jungfrau. Und das in allem Ernst, wie es sich gehört bei einer Travestie, einer Umkehrung, einem Spiel.
Vielleicht würde Frau Windmüller in Düsseldorf glücklicher werden. Da gibt es zwar immer noch einen männlichen Prinzen, aber auch eine süße Prinzessin. Tüll und Tränen. Quote erfüllt.

Köln ist nicht einfach und Köln ist einfach nicht korrekt. Die Frauen fordern aber nun ihr korrektes Recht. Durch das üblich gewordene Gender-Gestotter kaum verständlich - schreibt Frau Windmüller: „Wenn ihr Karneval für Kölner*innen also ernst meint, dann hört auf, die Hoffnungen von Kölner*innen nur als Träume zu bezeichnen und sorgt dafür, dass das Dreigestirn endlich offen für alle wird...“

Ja genau: Alaaf. Ich meine aber außerdem: Lasst uns weiter träumen, träumen, dass ein Spiel auch in Zukunft noch ein Spiel ist, dass wir uns verkleiden dürfen, dass ein Scheich oder ein Indianer noch als Kostüm zugelassen werden. Lasst uns träumen, dass noch irgendjemand - irgendjefraud - Parodie und Satire versteht und dass wir den Spass an der Freud behalten - unter Einbeziehung aller Frauen, die ein Verständnis von Sprache und Witz, Ironie und tiefere Bedeutung noch nicht ganz verloren haben.

Freitag, 7. Februar 2020

Es geht um die Wurst

Die Thüringer Wurst ist so braun, brauner geht’s nicht. Und die Braunen versuchen wieder an die Macht zu kommen. Da kommt so eine kleine, gelbe Banane gerade recht, um sich von den Würsten zur Oberwurst wählen zu lassen, damit jede Art von bunter Mischung ausgeschaltet bleibt.
Es geht nur um die Wurst, das hat die Wurst klar gemacht, sie hat uns immer wieder aufgetischt, behauptet, nur die Wurst sei das deutsche Lebensmittel. Obst bekämpfen, Zartgemüse zurück in die Dose. Und dieser Wurst folgen nicht nur Würste. Auch blasse Kartoffeln rollen zahlreich hinterher und das einfache Brot wünscht sich sowieso nur noch: Hot Dog.
Die Tollkischen sind sauer, weil die einzige, dicke, süße Kirsche, die natürlich nichts mit den Tollkirschen zu tun haben will, trotzdem kein Präsident wird, obwohl sie von allen gemocht wird. Die matschigen Tomaten, die schon lange jede Frische verloren haben, werden immer trauriger, der grüne Salat wirft der Banane Blumen vor die Füße und die hin und her schwankende Schwarzwurzeln wie auch die paar Bananen im Landtag, tun nach der Wahl entsetzt, schauen die Banane krumm an und behaupten, das habe niemand kommen sehen.
Am nächsten Tag ist die Banane platt, sagt Wirsing und tritt zurück. Aber es ist zu spät. Der Versuch mit der Banane ist der Wurst nachhaltig gelungen. 

Montag, 27. Januar 2020

Nötige Ausgrenzung

Gerade heute, an einem Tag, an dem der ermordeten Juden in den Konzentrationslagern der Nazi-Faschisten gedacht wird, müssen wir uns Gedanken machen, wie weit es den Faschisten auch heute schon wieder gelungen ist, sich in unserer Mitte breit zu machen.

Schon eine ganze Weile gehöre auch ich zu denen, die sich vehement gegen den Irrtum wenden, die AfD, die blau getünchten Braunen, sei eine 'normale' Partei.
Vor allem die Macherinnen der zum Boulevard verkümmerten Fernsehe-Talkshows machen immer dieselben Fehler, jedem rassistischen Spruch in Talkshows eine Öffentlichkeit zu bieten, jede Provokation breit treten zu lassen und damit dazu beizutragen, der Sprache der Faschisten zur Normalität zu verhelfen. Ausgeführt in "Guck mal wer da spricht" oder in "Braun, braun, braun".

Die Erkenntnis diese 'Normalität' nicht hinzunehmen, setzt sich erfreulicherweise immer mehr durch. In der ZEIT kommentiert Verena Weidenbach den Spiegel-Journalist Hasnain Kazim, der geschrieben hat, es gehe nicht darum "AfD-Wählerinnen und AfD-Wähler zu 'erreichen'", sondern "sie auszugrenzen, zu ächten, ihnen das Leben schwer zu machen, sie dafür, dass sie Neonazis und Rassisten den Weg zur Macht ebenen wollen, zur Verantwortung zu ziehen".

Allerdings. Und auch Verena Weidenbach bestätigt
"Erfolgreiche Stigmatisierung.
In Wahrheit spricht nämlich vieles dafür, dass die Versuche, die AfD durch 'Ächtung' und Ausgrenzung kleinzuhalten, keineswegs 'spektakulär gescheitert' sind, wie Jan Fleischhauer ... behauptet. Die jüngeren  Debatten ... und die aktuelle Praxis der AfD belegen vielmehr das genaue Gegenteil: Die namentlich im Westen noch immer wirksame Stigmatisierung der Partei als rechtsextremistische, rassistische und potenziell faschistische Bewegung ist für die Blaubraunen ein ernsthaftes Problem. Denn sie allein verhindert aus Sicht von Kubitschek und Co, dass auch in den alten Bundesländern erreicht wird, was im Osten längst gelungen ist: das Heraustreten aus der Non-Profit-Zone rechter Randständigkeit und die Mobilisierung einer breiten Massenbasis, die nur durch den Anschluss der 'bürgerlichen Mitte' gelingen kann".

Eben. Also: Weiter so. 

Montag, 6. Januar 2020

Tom Buhro: Satire darf nichts mehr


Der Kinderchor des WDR singt auf die Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ „Meine Oma ist ne alte Umweltsau“.

Herzlich gelacht. Toll gemacht. Und dann kommt es wie es immer kommt: "Sauerei". Oder "Kommt mir nicht mit Hashtag Satire".
Doch. Kommen wir. Denn die darf sein, die muss sein, die darf alles, weil wir eine freie Gesellschaft sind. Satire darf zuspitzen und zum lachen bringen. Satire bedeutet freien Geist und natürlich ein bisschen Intelligenz.

Die fehlt in unserer Gesellschaft mehr und mehr. Aus allen Rohren wird stattdessen Hass gefeuert. Noch mit Worten. Genau fünf Jahre, nachdem in Paris Satiriker in ihrer Redaktion von religiösen Fanatikern erschossen wurden. Seitdem wissen wir, wo dieser Hass enden kann.

„Meine Oma sagt Motorradfahren ist voll cool, echt voll cool, echt voll cool. Sie benutzt das Ding im Altersheim als Rollstuhl, meine Oma ist ne alte Umweltsau.“
Wer das ‚Ernst nimmt‘ - ist eben mit Intellekt nicht gerade gesegnet.

Schon nach kurzer Zeit gab es eine Viertelmillion Tweets, vor allem von ‚Bots’ und rechtsextremen Accounts. Dazu kommen dann die Weichgespülten aus der 'Mitte' der Gesellschaft, die ganz lieb schreiben:
‚Meine Oma ist eine sehr liebe Frau‘. ‚Meine Großmutter hat den zweiten Weltkrieg erlebt‘. Bitte? Ja, Kinder, erlebt erstmal einen Weltkrieg, dann dürft ihr auch Satire.
Nächster Schritt: Die Nazi-Brut, die „Bruderschaft Deutschland“ demonstriert vor dem WDR und die CSU twittert: „Es ist völlig inakzeptabel, dass Jung gegen Alt aufgehetzt wird“. Bitte? Dümmer geht’s nicht.

Und Tom Buhro, der Chef des WDR? Verteidigt er die Pressefreiheit, die Freiheit der Satire? Nein! Er nimmt das lustige Video mit dem Kinderchor, der frisch und begeistert singt, aus dem Angebot, löscht es aus der Mediathek des WDR und löscht damit das nächste Licht in einem immer enger werdenden Frei-Raum.

Der nächste Schritt? Zu Silvester dachte ich noch, während ich mich wieder beim lachen ertappte, nächstes Jahr wird es auch Ekel Alfred nicht mehr geben. Der beschimpft seine Frau als ‚dusselige Kuh‘ - geht gar nicht. Frauenfeindlich. Löschen. Und dann? Verbot von Liedern wie 'Tauben vergiften im Park'? Die armen Tiere...

Was wird bleiben? Die Endlos-Missbrauch-Show mit Heidi Klump, Werbung für CO2 Bomben: „Das Traumschiff“ - und natürlich jede Menge hirnloser Soap-Kitsch. Kein Problem, normal, man muss den Fernsehzuschauer schließlich da abholen, wo er sich befindet. Oder wie es der Chorleiter sehr diplomatisch ausdrückt: „Vielleicht ist es zu kompliziert, ein ‚um die Ecke denken‘ von allen zu erwarten“. Was fällt dem ein? Der Chorleiter Zeljo Davutovic wird folgerichtig auch bedroht.

Zumindest will Buhro jetzt die Mitarbeiter, die Morddrohungen empfangen haben, von der Polizei schützen lassen.
Er selbst kann und will das ja nicht. 

Nächster Schritt: Die Politik mischt sich ein. Laschet kritisiert die Satire, Bosbach (CDU, Dauergast in Talkshows) bemerkt, das Lied sei doch nicht von Kindern geschrieben. Hallo! Intelligenztest doch noch bestanden. Weiter geht's: „Missbrauch von Kindern. Instrumentalisierung wie in schlimmster Vergangenheit“ - Bitte? Wieviel Dummheit und Falschheit müssen wir eigentlich noch ertragen. Das ‚Deutsche Kinderhilfswerk‘ greift ein: „ganz wichtig ist, dass man den Kindern sagt, dass sie keinen Fehler gemacht haben“.

Die Freiheit stirbt scheibchenweise. Wenn schon eine solche Satire gebrandmarkt wird - dann sind Satiriker bald Volksfeinde.

„Müssen wir uns das bieten lassen?“ - „Wie kann man so etwas sagen?“ - solche Sätze habe ich schon als Theaterleiter in den letzten Jahren vermehrt zu hören bekommen und habe in aller Ruhe erklären müssen, dass die Figuren auf der Bühne in Rollen sprechen, dass Figuren auf der Bühne auch schlimme Dinge sagen dürfen und dass ich auch einen Mord auf der Bühne nicht verhindern werde.

Wo sind wir gelandet?
Satire, Ironie und tiefere Bedeutung - wir müssen all das wieder lernen.

Montag, 28. Oktober 2019

Braun, braun, braun

Alles hat ein Ende nur die Wurst hat schon mehr als zwei Landtage besetzt, außerdem jedes Netz und die befreiten Zonen und jede Talkshow. Da können die blassen Kartoffelpuffer noch so viel um die Wette puffern, sie tappen in die Wurst-Falle. Denn die aufgepufferte, abgewogene Ausgewogenheit erreicht nur das Gegenteil so mancher Puffer-Absicht. Durch gemütliches Gemüsegeschwätz kommen die Würste nämlich nicht vom Grill, sie werden eher noch bitterer, noch brauner. Die Würste, die Deutschländer, die einverleibten Wiener und vor allem die Thüringer werden fetter, brutzeln und knallen. Aber die Kartoffelpuffer wollen die Flamme einfach nicht herunterdrehen. Die Beilagen der Würste könnten sonst verschreckt werden.

Will, die Frau die eins von den Ersatzparlamenten moderiert, will mutig sein. In ihrer Talkshow sitzen zwar immer dieselben verschrumpelten Karotten, faden Äpfel und weichen Pflaumen, aber es muss immer eine braune Wurst dabei sein, für die Meinung aus der Giftküche. Will sagt also: "Die Wurstschutz-Behörde sieht braune Würste als 'Verdachtsfall'“. Das hört die fette Wurst in der Runde gar nicht gerne und sprutzelt, das sei eine "Instrumentalisierung der Organe durch Obst und Gemüse". Ach so. Will aber will noch nicht aufgeben und sagt, noch mokanter, noch provokanter: "Ein Gericht hat doch bestätigt, dass die Thüringer Oberwurst, dass dieses eine, besonders verbrannte Stück Wurst, 'Wurst' genannt werden darf". Da platzt die dicke Wurst und knallt dazwischen, die deutschen Gerichte seinen auch instrumentalisiert. Durch die ganzen Vegetarierschlampen...
Was soll das Sich-Verstecken hinter Gerichten? Himmel un Ääd! Warum sagt der Wurst niemand einfach: "Sie sind eine Wurst."
Wer 'Heil Griller' ruft, wer von 'Wurst und Heimat', oder von 'Verwurstung' und vom vollständigen Sieg der Schlachthöfe spricht, ist eine Wurst. Das ist Fakt. Bald gibt es eine neue Küchenschlacht.

Die deutsche Wurst. Sie hat sich immer schon entweder in kochendes Wasser gestürzt oder ins Nichts. Im Nichts kennt sie sich aus. Da war sie schon oft. Deshalb erst einmal das Sein um das Nichts herum eliminieren, weg beißen, oder weg fressen. Und dann weiter mit Vollgas ab durch die Mitte ohne Tempolimit mit dem Geländewagen hinter die Spiegel, mitten – ins Nichts: Ein letzter Baum. Ein Loch. Die Wurst fährt hinein und fällt hinunter, fällt und fällt. Am Kaiser vorbei durch das dritte Reich direkt in die nächste Schlachterei, wo die ganzen Schweine immer noch ordentlich zur Wurst umerzogen werden. Das Bier schreit: Trink mich. Die Wurst tobt: Ess Ess und verspeist die schwarze Wurst neben sich. Schon sind wir dem Nichts ein bisschen näher gekommen.

Wir sind das Brot sagt der Herr. Die Wurst, dumm wie Brot, ruft: Wir sitzen alle in einem Brot. Hauptsache kein Wurstsalat, kein gemischter Salat – nur noch die reine deutsche, braun gebrannte, fette Wurst. Viva Wurst, es lebe die Presswurst. Ess, ess – dieser Befehl wurde schon immer befolgt. Die Thüringer Würste haben verstanden, gefressen und gewählt – gerade weil es im Umland immer mehr Erbsenzähler, schlaffe Möhren und Salat-Kandidaten gibt. Die Würste brutzeln lauter und lauter, die Holzkohle brennt, Rauch steigt auf. Viele folgen und quellen sich durch Straßen, Kanäle und Grille. Sie hüpfen vom Rost und geben der Gurkentruppe noch einen Tritt. Ab in die Wüste, sagen die Würste und werden populär. Die Maica ist gekommen, die Metzger schlagen aus.
Spargelstangen mit Köpfchen meinen, nur weil die Würste ess ess schreiend auf dem Rost liegen, müsse man ihnen noch nicht folgen. Sie bleiben ungehört. Zu hören ist ein allumfassendes Geschrei: wir wollen Würstchen werden, wir sind die besten Würstchen der Welt, die ganze Welt soll sich an den fetten, braun gebrutzelten, aufgeplatzten Würsten den Magen verderben.
Und wenn dann noch Herr Brühwurst, im bürgerlichen Wasser langsam vor sich hinköchelnd, von Journalisten nach dem 'Flügel', gefragt, sagt: die braun-verbrannte Thüringer Wurst steht über allen Flügeln, Chicken-Wings und Rippchen in der Mitte aller Würste, dann sehen wir was wir schon wussten, die Bärchenwurst ist nur Verkleidung. Dahinter steckt die eine, braune Wurst.

Dienstag, 15. Oktober 2019

Krieg! Hurra!

Weiter so. Auch auf der Straße kann sich kaum mehr jemand benehmen.
Warum soll das anderswo nicht auch gelten? Zum Beispiel für die Hochkultur der Qualifikation für die Europameisterschaft. Und los geht's: Bulgarien gegen England: Affengebrüll gegen schwarze Spieler und Hitlergruß. In Frankreich: Die türkische Nationalmannschaft salutiert schon zum zweiten Mal mit militärischem Gruß den Soldaten, die in Syrien einmarschieren. Terroristen, die vorgeben gegen Terroristen zu kämpfen. Kurdenhasser, Islamisten, Mörder. Salut. Alle für den Krieg. Verzerrte Gesichter, rollenden Augen. Es gibt sie wieder: Die Kriegsbegeisterten. "Den tapferen Soldaten und Märtyrern".


Krieg! Jawoll!
Alles klar. Und Gündogan setzt ein Like unter das Foto. Und Emr Can auch.
Aber, hoppla, das sind doch deutsche Nationalspieler. Nach Protesten - und wahrscheinlich nachdem Berater vor Schaden für die Karriere gewarnt haben - kommt es zur Zurücknahme des "Daumen-Hoch". Es folgen die stümperhaften Versuche einer RechtfertigungCan sagt in die Mikrophone, das Liken hätte nix mit Politik zu tun gehabt - und weiter: „Ich bin gegen jegliche Art von - irgendwie Krieg oder sonstwas...“ Ja was jetzt?

In Deutschland besteht immer die Gefahr, dass aus türkischen Kerlen Weicheier werden. Can klingt wie ein Mädchens im Körper eines tätowierten Protzes, das an einem Schönheitswettbewerb teilnimmt und auf die Frage, was es sich am meisten wünscht, antwortet: Weltfrieden.
Warum? Weil irgendwie gegen Krieg oder sonstwas.

Cenk Sahin vom FC St. Pauli hat sich nicht verbiegen lassen und redet sich auch nicht heraus. Er hat sich auf Instagram vor einer türkischen Fahne ablichten lassen und geschrieben: „Wir sind an der Seite unseres heldenhaften Militärs und der Armeen. Unsere Gebete sind mit euch!“ Na also. Geht doch.

St. Pauli, der Club der Gutmenschen, distanzierte sich natürlich „von dem Post und dem Inhalt, weil er mit den Werten des Vereins nicht vereinbar ist.“ Der Spieler wurde entlassen.  Jetzt spielt er wieder in der Türkei. Jawoll.

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Kritische Fragen

Wir wissen, die meisten Damen und Herren, die ein Mikrophon vor sich hertragen, sind ebenso unterbelichtet und der deutschen Sprache kaum noch mächtig, wie die Befragten. Wo ist der Genitiv? Wiehert (wird) der noch benutzt? Ist das überhaupt wichtig?
Man muss die Leute da abholen, wo...
So übernimmt manche Moderatorin einfach die Sprache der Rassisten. Da ist von „Überfremdung“ die Rede, da wird gefragt: „Wie sieht denn ihr Konzept aus, den Flüchtlingsstrom einzudämmen...“ Und dann kommt die Frage nach einer „bürgerlichen Koalition“ aus AfD und CDU...

Vielleicht haben sie ja auch nur Angst um ihren Job, denn wir sehen ja wohin die Reise geht, wenn Journalisten kluge Fragen stellen. In Österreich wurde in einem Nachrichtenmagazin der Beweis erbracht, dass die Nationalisten der FPÖ schon die Bildsprache der Nationalsozialisten übernommen hatten. Fazit: Der Moderator wurde noch in der Sendung von einem FPÖ-Nationalisten bedroht.

Hier in Deutschland ist es erst jetzt, im September 2019 zu einem solchen Zwischenfall gekommen.
Ein Journalist des ZDF hatte tatsächlich den Mut in einem Interview die Frage nach der Nazi-Terminologie zu stellen, und zwar dem, der sie verwendet, Bernd Höcke, der Hitler-Klon für Arme. „Wir wollen Wolf sein“, hörten wir ihn schreien. Oder:
„Dieses Land braucht einen vollständigen Sieg“. Heil.
Also fragte der Journalist nach. Das war der Fehler. Das Interview wurde sofort beendet und ein Höcke-Berater, der als Aufpasser im Raum saß, wollte dem ZDF das Senden des Beitrags untersagen. Das ZDF lehnte dieses Ansinnen ab.

Das hatte Konsequenzen. Konsequenzen wurden angedroht. Und dann - auf Nachfrage, was Konsequenzen denn zu bedeuten hätten, raunte Höcke: „Wir wissen nicht was kommt“. Was? Nach dem Endsieg? „Vielleicht werde ich eine interessante politische Person“ - drohte Höcke weiter. Klar. Zum Nazismus kommt die narzisstische Persönlichkeitsstörung, wie schon bei allen anderen bekannten Psychopathen - von Trump bis Johnson, von Erdogan bis Putin. Der rechtsnationale Strache in Österreich hatte im Angesicht einer falschen Oligarchen-Frau aus Russland, aufgegeilt bis unter die Haarspitzen, schon die Presse und das ganze Land verkaufen wollen.
Wen oder was will Höcke verkaufen? Oder doch lieber die Machtergreifung abwarten?

Und wir? Wie lange wollen wir noch warten? Sind jetzt endlich die Beiträge zu hören, die so lange fehlten? Werden endlich die richtigen Fragen gestellt? Wird endlich klar gesprochen?
Kommen jetzt in Talkshows endlich Demokraten, Philosophen, Schriftsteller, kritische Denker zu Wort?

Wir sind mehr. Sind wir auch laut genug?
Die Schüsse von Halle sagen: Nein.

Guckt mal wer da spricht... dann wisst ihr wer da schießt

Warum dulden wir, dass unsere Demokratie zerstört wird? Warum dulden wir, dass immer höhere Dosen von Hass, Wut und Gewalt unser Leben beherrschen? Warum dulden wir die Dummheit?
Unser Land hat sich verändert. Es ist nicht nur gespalten, es wird zerstückelt durch die AfD, Clan-Quartiere, Nazi-Zonen, Reichsbürger... Aus den Zonen heraus, die manch ein Mensch nicht mehr zu betreten wagt, wird geschlagen, gestochen und geschossen. Und natürlich gepöbelt, gehetzt, beleidigt. Alles ganz normal.

Und Menschen, die das nicht normal finden, fühlen sich allein gelassen.
In Halle gab es für die Synagoge keinen Polizeischutz
Ein Antisemit, Verschwörungs-Anhänger und Holocaust-Leugner wollte in die Synagoge eindringen, um Juden zu erschießen, um ein Massaker anzurichten. Mit Helmkamera, selbst gebauten Waffen und Live-Stream.
Die Tür hielt, der Rassist erschoss also wahllos zwei Menschen. Das Netz der Nazi-Gamer feiert ihn.
Unser Land als Online-Spielfeld für Rechtsterroristen?

Ich kann sie nicht mehr sehen, die dreckigen Fressen unter ihren Glatzköpfen, die Schreihälse auf den Marktplätzen der zerschossenen Illusionen, die Prediger göttlicher Einfalt, die Frauenverächter, Kriegstreiber, Schläger und Goldkettchenträger.
Und ihr, kriegsbesoffene, türkische Fußballer, die ihr eurem Hasspräsidenten salutiert, euch sollte man von der EM ausschießen.  

„...ich würde niemals lügen - sagt der Lügner, ich verteidige mich doch nur - sagt der Aggressor, ich bin das Opfer - sagt der Täter.
Wir sind das Volk - sagt die Minderheit, wir sind eben ein wilder Haufen - sagen die Faschisten, wir sind bürgerlich - sagen die Rassisten - und wir, die bürgerliche Mehrheit, zeigen uns hilflos. Wir wehren uns nicht. Wir sind tolerant zu den Intoleranten.“ Das sagte Moderator Max Moor im August 2019 und bescherte diesen einen Moment, auf den wir so lange gewartet hatten.

Klare Worte in einem öffentlich-rechtlich Kulturmagazin. Sie sind zu selten zu hören. Es hat lange gedauert, fast zu lange. 
Wer steht denn auf gegen die Lügenfressen auf unseren Straßen? Mutige Menschen. Die Weichei-Medien jedenfalls nicht. Je mehr sie beschimpft werden, desto weicher werden sie. Die AfD wird hofiert, die geistigen Brandstifter werden wie 'normale' Politiker behandelt. So ist das nicht richtig.
ARD und ZDF kennen seit Jahren nur Kuschelkurs und langsames Ertrinken im Ausgewogenheit-Sumpf, dazu ein Programm für Idioten. Alle reden von Bildung, das ZDF überschüttet uns mit Herzkino und Heimatkitsch, mit Fernsehgarten, Stadel und Soaps. Alle wollen Klimaschutz, gesendet wird „Das Traumschiff“ - Überall Abschalteinrichtungen - vor allem für das geistige Klima. Auch das hat Folgen.

Die Talkshows sind auf dem Niveau von Boulevard schon lange nur noch Plattform für Rechtsnationale, neue Nazis und deren Themen: Abgehängte, Bedrohung, Ängste, Kriminalität, Flüchtlingswelle - Stichworte für die Propaganda der neuen Horror-Clowns. Da hilft auch kein Fakten Check als Feigenblatt. 20% Wähler - das ist schon schlimm genug, aber der Gäste-Proporz in den Talk-Runden könnte die Zuschauer geradezu auf die Idee kommen lassen, Lügner und Hetzer beherrschten jetzt schon das ganze Land, weil sie immerhin über die Hälfte der Redezeit in Anspruch nehmen dürfen. Dort dürfen sie ihren braunen Quark und ihre Lügen unter die Leute bringen.
Und warum? Immer wieder heißt es, weil sie gewählt worden sind. Warum kapiert ihr das nicht? Wähler-Stimmen für Nazis machen aus Nazis noch keine Demokraten.

Und wir, die Vernünftigen, die vor dem Bildschirm sitzen müssen? Wir schweigen, bleiben höflich, senden kluge Gästebucheinträge, während die Arschgeigen die nächste dämliche Fotze zum Abschuss freigeben. Ist ja nur eine Meinungsäußerung. Müssen wir aushalten. Nein, müssen wir nicht. Auch hier brauchen wir klare Worte. Wer Nazis wählt, wer die wählt, die offen von Umvolkung faseln, kann nicht wieder so tun, als habe er von nichts gewusst.


Die Türkei führt Krieg

Ich kann es nicht mehr hören, das Lallen des Wickelkindes im Gewand eines sonnen- und hirnverbrannten Dorftrottels. Ich kann es nicht mehr sehen, das dumme Dicke-Backen-Gesicht des blutdürstigen Mini-Sultans.

Leider hat der dumme Sultan Macht. Und der amerikanische Trottel auch, der seinem türkischen Bruuda auch noch Platz macht, damit der ungestört Kurden massakrieren kann. Also greift die Türkei die Kurden in Syrien an, um Kurden zu erschießen. 
Die ganze Welt ist sich einig: Das muss Konsequenzen haben. Es geschieht - nichts. Weil: Erdogan sagt: "Hey, europäische Union - reiß dich zusammen." Und meint, wenn Kritik - dann Tore auf und Millionen Flüchtlinge nach Europa. Also hält Europa die Fresse.

Trump nicht. Der hält ja nie die Twitter-Fresse. Immerhin haben die Kurden an der Seite der Amerikaner gegen den islamischen Terror gekämpft. Also wird Erdogan vor einem Krieg gegen den Verbündeten deutlich gewarnt. Würden "Tabus" verletzt, solle die türkische Wirtschaft „vollständig zerstört“ werden. Was macht der türkische Clown? Einmarschieren. Wer Trump widerspricht, muss normalerweise mit Rache rechnen, mit Feuer und Sturm. Aber die Kurden haben ja nicht in der Normandie gegen Hitler geholfen, sondern nur in Syrien. Also was?

Wird jetzt die türkische Wirtschaft „vollständig zerstört“? Oder sollte Trump schon wieder gelogen haben? Wie über seine Russland-Kontakte, oder sein „perfektes Telefonat“ mit dem ukrainischen Präsidenten?
Verhält es sich etwa mit den Tweets und mit den Warnungen, die er in „seiner großartigen und unendlichen Weisheit“ ausgesprochen hat, genau so, wie mit jeder anderen Lüge aus seinem Mund oder jedem Vertrag aus seiner Hand?
Wahrscheinlich ist es noch schlimmer. Putin hat seinen Freund angerufen und ihn einfach gebeten abzuhauen, damit er selbst einmarschieren kann.

Sollte das der Fall sein, müsste das aber jetzt wirklich endlich ganz echt dann doch einmal ganz und gar Konsequenzen haben: Stopft dem amerikanischen Clown das Maul, setzt ihn ab und sperrt ihn ein, schießt Putin auf den Mond (da kann er dann die amerikanische durch die russische Flagge ersetzen) - und stoppt das Gemetzel der türkischen Armee.

Samstag, 5. Januar 2019

Merkel ist weg - bald!

Bald ist es soweit. Merkel wird nicht mehr Kanzlerin sein, sondern nur noch Frau Merkel. Was das für Konsequenzen hat... Das können wir uns noch gar nicht vorstellen.
Frau Merkel will nach der Kanzlerschaft partout kein politisches Amt mehr bekleiden und auch nicht in die Wirtschaft wechseln. Mein Gott, was ist denn da so schwierig? Braucht sie denn wieder eine Extrawurst...
Warum kann sie nicht einfach wie jeder andere in einem Aufsichtsrat korrupt werden, oder in einer Bank Insidergeschäfte machen, oder ein Angebot von Putin annehmen? Aber weder Gas noch Öl noch Schalke können sie locken. Was um Himmels Willen kann sie locken? Ein gemütliches Zuhause? Aber da wartet doch nur ihr Mann...

Apropos Mann. Was wird ihr Mann bloß tun, wenn sie nach Hause kommt, wenn sie zuhause bleibt? Er wird natürlich weiterforschen und - seine Frau beim Frühstück genau beobachten. Denn er wird sie dann nicht mehr nur zu den Bayreuther Festspielen zu Gesicht bekommen. Eine völlig neue Erfahrung. Ein geradezu physikalisch-psychologisches Experiment. 

Wie wird er reagieren in einer solchen Versuchsanordnung? Er wird sich vor den Spiegel stellen und selbstbewusst sagen können: Ich bin Sauer, ich bin ein Mann, denn er muss ab sofort kein Damenprogramm mehr absolvieren. Das Leben wird für ihn ein völlig anderes werden. Sein Leben wird das Leben der Anderen. Er findet sich in einem völlig neuen Film wieder: Mama ante Portas.

Wird er nervös werden, wenn sie ruhig am Wohnzimmertisch sitzt, mit den Fingern eine Raute formt und sich partout nicht beeilen will? Sie wird noch nicht einmal eine SMS schreiben wollen.
„Wirst du jetzt immer zu Hause sein“, fragt er irritiert.
„Ja“, sagt sie. „Auch Nachmittags?“
„Ja“, sagt sie, und blättert interessiert in einer Zeitung, in der von Chaos in Frankreich und Rücktritten in England und Rausschmissen in den USA zu lesen ist. Dann wird sie einkaufen gehen. „Meine sehr verehrten Damen und Herren. Mein Name ist Merkel und ich kaufe hier ein. Wo finde ich die Kartoffeln?“
Ein Verkäufer mit ausrasiertem Nacken schreit hinter dem Regal: „Hau ab“ und die Kassiererin flüstert „Merkel muss weg“. Die Kundschaft aber protestiert. „Lasst die Frau. Wir schaffen das.“
Das Leben in Deutschland wird nicht mehr sein wie es einmal war.

Donnerstag, 6. September 2018

Chemnitz: Lügen, Mob und Videos

Es ist einfach nur noch unerträglich. Das Land verändert sich. Auch in Deutschland werden Lügen durch ständige Wiederholung zur Wahrheit umdefiniert.
Das Netz quillt über von Gerüchten, Fälschungen, Hass. Und von Aufrufen die Straße zu erobern, Ausländer zu jagen, zu töten, wo auch immer etwas 'passiert'.

Nach Kandel also Chemnitz. Alle konnten es sehen: Kameraleute wurden verprügelt, Menschen gejagt, ein Brüllen und Geifern, dazwischen ein versprengter Haufen überforderter Polizisten, ein Mob prügelt sich die Straße frei.

Einen Tag später: Schläger, Hetzer, Nazis und Rechtsnationale Arm in Arm mit AfD-Funktionären,
Hetzer schreiten Seit an Seit
im Gefolge die Mitläufer, die immer noch behaupten sie seien 'besorgte Bürger'. Sie decken die Jagdszenen in Sachsen. Sie sind die brave Begleitung der neuen Nazis. 

Eins ist klar: Sie können nicht mehr behaupten, sie hätten von nichts gewusst.
Schläge, Steine, Böller, Gewalt und Geschrei. Tätowierte Idioten, Hitler-Hooligans, Hackfressen, Ärsche und brüllende, hässliche Gestalten, die mit Hitlergruß die Straße stürmen.

Keine Zeit für Trauer, keine Zeit für Vernunft. Es ist nur noch zum kotzen.

Es gibt doch schon genug Dumme, Besoffene, Motorradgangs, Türsteher, Mafiosi, die uns terrorisieren. Es gibt Fundamentalisten, die Gläubige manipulieren, Clan-Familien, die ganze Stadtviertel beherrschen. 
Jetzt macht die Nazi-Bewegung mobil um unsere Demokratie in Stücke zu schlagen - und diese Pappfigur, die sich Ministerpräsident nennt, stellt sich nach der Straßenschlacht von Chemnitz tatsächlich noch vor das sächsische Parlament und sagt: 
"Es gab keinen Mob, es gab keine Hetzjagd, es gab kein Pogrom".

Seit Trump kennen wir das ja zur Genüge: Lügen, Tatsachen leugnen, Verdrehungen, trotz aller Fakten. Wem will dieser Kretschmer damit dienen, die Dinge nicht beim Namen zu nennen?
Das Entsetzen kann immer noch gesteigert werden.
Die Politiker, die immer noch verharmlosen, sind die Wegbereiter künftiger Gewaltherrschaft.

Einen Tag später: "Migration ist die Mutter aller Probleme" sagt Seehofer und gibt den Freibrief für den nächsten Aufmarsch.
Die Politiker um ihn herum winden sich, oder relativieren seinen Satz. Die Dummen klatschen Beifall und die Schläger organisieren die nächste Hetzjagd - ja: Hetzjagd!

Aus einem Gedicht von Erich Kästner:

"Ihr kommt daher und laßt die Seele kochen.
Die Seele kocht, und die Vernunft erfriert.
Ihr liebt das Leben erst, wenn ihr marschiert,
weil dann gesungen wird und nicht gesprochen."

Nach Ungarn, Türkei, Polen, Österreich, Italien ... 
Wir müssen uns wehren, sonst wird Deutschland, unser Land, sich auch noch einreihen müssen.

Donnerstag, 30. August 2018

Verlorene Erde

Der Untergang naht. Gewitter ziehen durch. Heftig, mit Hagelschlag und Sturm. Es wird kühler. Jetzt kann ich wieder schreiben.

Es war nicht nur heiß, es war so heiß wie noch nie. Und plötzlich bemerkten die Medien, sie könnten zu dem Thema doch einmal einen Wissenschaftler befragen. Das Wetter hatte es in die Nachrichten geschafft. Fotos aus der ISS zeigten einen braunen, verdorrten Kontinent Europa und in Kalifornien wüteten die größten Waldbrände aller Zeiten - die Rauchsäule war bis in den Weltraum zu sehen.

Der Planet leidet an Überhitzung. In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben Wissenschaftler davor gewarnt, dann hieß es, bis Ende der 80er Jahre könne die Katastrophe noch aufgehalten werden. „Jetzt ist der Klimawandel da“, sagt ein Wissenschaftler, nicht per Twitter, sondern auf einer Pressekonferenz. „Keine Fake News“, sagt er in Richtung Trump.

Im Magazin der ‚New York Times’ erscheint ein Artikel: ‚Losing Earth: The Decade We Almost Stopped Climate Change’ von Nathaniel Rich.
Georg Diez vom ‚Spiegel‘ ist beeindruckt und schreibt:
„Mit einem Knall wird deutlich, in der nicht nachlassenden Hitze dieser Wochen, was es bedeutet, im Zeitalter der Katastrophe zu leben. ... Die Welt nähert sich dem Abgrund, doch statt zu handeln, stecken wir den Kopf in den trockenen Sand. Warum weckt der mögliche Untergang der Menschheit so wenig Interesse?
Die Antwort auf diese Frage ist ... eine Antwort auf verschiedenen Ebenen, und die deprimierendste davon ist die der aktuellen Politik, die eben vor allem Politik- und Lösungs-Theater ist, ein Phantasma der Machbarkeit und Beherrschbarkeit, das sich in Begriffen wie ‚Obergrenze‘ abbildet. ... Die Klima-Krise, so hat es der indische Schriftsteller Amitav Ghosh in seinem Buch ‚Die große Verblendung‘ beschrieben, ist auch eine Krise der Kultur und vor allem eine der Imagination, der Vorstellungskraft, der Bilder, Visionen, der Sprache und der Geschichten. Die Literatur, das ist die These von Ghosh, scheitert daran, vom Untergang des Menschen zu erzählen, weil ihr die Erzählmuster und damit der rationale Rahmen fehlen.“

Eine gute Beschreibung. Seit Jahren können wir besagte Folgen beobachten und niemand kann wirklich überrascht sein, dass die Fähigkeit zur Imagination mehr und mehr abhanden kommt. Wir müssen uns nur umschauen, in der Welt der Medien, der Netzwerke oder des Performance-Theaters. Es fehlt Kunst, es fehlen Stücke, Philosophie, Erzählungen, es fehlt die Phantasie. Stattdessen eine Flut von News, Statistiken und Recherchedaten. Dazu ein andauernden Wettlauf um jede kleine Skandalgeschichte, um Verschwörungen, Hackerangriffe, gefälschte oder schockierende Bilder.
Und die immergleichen Antworten. Wer ist Schuld an Kriegen? Beide Seiten, oder natürlich die Juden, die Flüchtlinge, der Westen. Der böööse Putin heißt es dann ironisch von manch kluuugem Kabarettisten.
Und schon sind auch diese Wahrheiten verzerrt. Ja. Putin führt Krieg und sperrt die Opposition ein. Weshalb ausgerechnet hier der süffisante Unterton? 
Foto: Alexander Gerst aus der ISS - Rheingegend. Verbrannte Erde.

Und die Gluthitze in diesem Sommers? Der böööse Klimawandel... Seit 2014 steigen die Temperaturen kontinuierlich. Der Klimawandel ist da. Wenn wir schwitzen, glauben wir plötzlich zumindest, dass es heißer wird, weil wir es am eigenen Leib spüren. Und wer ist Schuld? Natürlich die Merkel, die mit den heruntergezogenen Mundwinkeln. Witzig.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden von Kultur und der Blindheit gegenüber den Szenarien des Untergangs? Eindeutig ja.
Wir sind unempfindlich geworden gegenüber der näher rückenden Katastrophe, weil wir überhaupt unempfindlich geworden sind. Die echten Bilder von zerbombten Häusern, weinenden Frauen, schreienden Männern sind austauschbar. Wir wissen nicht mehr welcher Krieg da gerade über den Bildschirm tobt. Auf den Bühnen Betroffenenmonologe, im Kabarett Säulendiagramme. Menschengeschichten, die uns berühren könnten - beiseite geschoben. Aber ohne sie zu sehen, können wir uns kaum mehr ein Schicksal vorstellen. 'Flüchtlingsströme', eine abstrakte Bedrohung, die wir aufhalten können, indem wir die Grenzen schließen. Welche Grenzen? Grenzen in der Wüste, im Dorf, im Lager, in ganz Europa? Um die Flut aufzuhalten? Menschen werden zu Wellen. Die Ströme bestehen nicht mehr aus Menschen.

Und der steigende Meeresspiegel - wie soll der aussehen? Das kann, das will sich schon keiner mehr vorstellen. In der Tat: Dem Menschen kommt die Imagination abhanden.
Warum hat er verlernt Geschichten zu lesen, Bilder zu erfassen oder gar Kunst zu verstehen?
Statt Theater zu besuchen, geht er, das Smartphone im Anschlag, ins Musical, ins Kaufhaus, zur nächsten Schlägerei. Jede Lüge wird geglaubt, jeder Betrüger wird zum Retter. In der Schule müssen tobende Kinder gebändigt werden. Theater, Musik, Bildung spielen auch hier keine Rolle mehr. Und auf der Straße - aufgepumpte Vollidioten, kurz vor dem Platzen, panische Pferdeschwänze mit riesigen Rucksäcken, überbesorgte Mütter, überbegabte Kinder... ja, ich hör ja schon auf.

Eine Reizung erfahren diese Konsumenten nur noch durch Performance und Flashmob im öffentlichen Raum. Überraschung. Das Sinfonieorchester auf der Einkaufsstraße. Wenn der Konsument nicht mehr ins Konzert geht, kommt das Orchester eben in die Einkaufsstraße. Gefühle kommen aus dem Herzkino, das Lachen aus den Comedy-Waschsalons - sauber bedient.
Politiker reden ununterbrochen von Erzählung (die Erzählung Europas), aber nichts wird erzählt.
Wir verdorren in unserer Dumpfheit, schauen wir gebannt in den Himmel, stöhnen unter der Hitze und erwarten den Einschlag des Blockbuster-Meteoriten, der alles Leben vernichten wird.
Aber es bleibt nur eine Wüste stacheliger Twitter Sträucher und ein brennender Facebook Dornbusch, den wir, wie befohlen, anbeten. Die Katastrophe ist da.

Montag, 27. August 2018

Wagenknecht will dass wir...

„aufstehen“. Nein. Ich will nicht schon, wenn der Wecker klingelt, an Sahra oder Oskar denken müssen.
Frau Wagenknecht will zum aufstehen zwingen. Warum? Dieser nullige, schnullige Sumpf, der sich als linke Sammlungsbewegung darstellt, hat doch nur Werbespots drehen lassen, die sowieso schon zum aufstehen und davonlaufen sind. Aber halt: was da so bewusst im Ungefähren bleibt, ist bei Sahra und Oskar Taktik. Das ist nicht Soft - das ist Hardware.

„Aufstehen“ ist eine Propagandaplattform, die krampfhaft verbergen will, dass sie eine Propagandaplattform ist - mit Hilfe von Twitter, Facebook und Internet. Auf der Plattform finden wir keine politischen Grundsätze, nur diese typischen, ganz natürlichen Menschen, die ganz natürlich über ihre Sorgen und Nöte sprechen müssen. Scripted Reality nennt man das. In Zeitlupe und mit kitschiger Musik als Untermalung, stolpern die Befragten ganz authentisch über ihre eigenen Sätze. Diesmal aber finden sie keinen Optiker toll oder werben für Abführtropfen - jetzt wollen sie: ‚aufstehen’.

Die ehrliche Empörung gegen Populismus, Rassismus, Unmenschlichkeit, wird hier zu Klein-Erna-Statements gegen 'die da oben.
Nur am Rande: Schon Dieter Hildebrandt sagte einst über das Fehlen guter Rhetoriker und Redner in der Politik: „Sie kalkulieren ihre Empörung“.

Und hier wird Empörung inszeniert. Die Macher haben begriffen, dass in unserer Schreihals-Gesellschaft gegen die da oben, eine Partei von da oben skeptisch macht. Also wollen Oskar und Sahra ihre populistische anti-westliche, pro-russische, Merkel-Muss-Weg-Politik unter die Leute bringen ohne sich verraten zu müssen. Am besten geht das eben in einem großen Mustopf, in dem sich jede Zutat auflöst, sodass nicht mehr herauszuschmecken ist, woraus diese Pampe besteht. Nur aus dem Beilagensalat wird ein hippes Video.

Beispiele gefällig?
Steve, der im Garten seinen Hund Whiskey streichelt, will Gerechtigkeit, Andi, der Lehrer („Ich bin der Andi“) macht Musik und meint „sag ich mal“ für eine neue Schule sein zu müssen - was für eine Überraschung - er läuft im Gegenlicht in Zeitlupe eine Treppe hinauf, Barbara, Tierschützerin, will Tiere schützen, Margot, die Rentnerin, wahrscheinlich auch. Sie küsst ihren Hund, die alte Fellnase, auf die Schnauze. Brillenfassung? Rosarot. Bei Jenny, Studentin, ist die Musik ein bisschen fröhlicher, während sie in Zeitlupe ein Rad schlägt. „Ich befass mich in der Masterarbeit gerad so n bisschen mit Großkonzernen...“ Aha. So n bisschen... Sie hat einen Nasenring und teilt ihre Sorgen mit uns: „was mir so n bisschen Sorgen bereitet... sind die großen Konzerne. Das macht mir Sorgen“ - wegen was? „Wegen regionaler Produkte. Hier geht Identität verloren.“ Ach ja, Identität. Auch so ein Lieblingsthema. „Wahrung kultureller Eigenständigkeit“, heißt es da. Die Identität ist in Gefahr. Durch wen oder was nochmal? Von Flüchtlingen ist nur indirekt die Rede. Wir wissen nur, Fremde vertragen wir nicht in zu hohen Dosen. „Konkurrent um die knappen Ressourcen“. Genau. Auch Gauland findet die Plattform toll.


Jetzt kommen auch noch deutsche Intellektuelle und Künstler ins Spiel. Dramaturg Stegemann schreibt über den Flüchtling, er sei ein Fremder, "dessen unbekanntes Verhalten zu Verunsicherung führen kann". Toll. So denkt der linke, intellektuelle Beilagensalat.
Einfach dem Volk aufs Maul schauen. Wir sehen echte Menschen, die mit original Dialektfärbung. Und wer zu keinem Gesichtsausdruck in der Lage ist, den verstehen wir durch die natürlich-tragische Geigenmusik zum Film: Deutschland dem deutschen Arbeiter.

Der Redakteurin Marie liegen Kinder am Herzen. Marie sagt: „Kein Kind sollte in Armut aufwachsen“ - wer spätestens hier noch nicht begeistert ist, der hat einfach kein linkes Herz.
Die Medien überschlagen sich geradezu für #Aufstehen. Also, genauer: die russischen Staatsmedien und Russia Today. Hier werden normalerweise Filmclips gefälscht und Lügen konstruiert. Hier schwadronieren Rechtsnationale - und natürlich ist Frau Wagenknecht Dauergast. Die Propagandakanonen schießen seit eh und je aus allen Rohren für Faschisten, Trump und Putin. Alles und alle gegen die verhasste Demokratie.

Der schon erwähnte Theatermacher hat vergessen, dass Künstler und Intellektuelle immer schon gegen jeden Krieg, gegen jede Gewaltherrschaft, gegen jede Diktatur, aufstanden, schrieben und inszenierten. Hier und anderswo. Bernd Stegemann, Dramaturg am Berliner Ensemble, schreibt nicht nur verschraubte Essays, er twittert auch für die Sammlungsbewegung - sein Profilbild: Stegemann an der Kremlmauer. Toll.

Wir sehen: Netz und Doppelmoral. Trotz Verfolgung der Opposition, Krieg in der Ukraine, in Georgien, in Syrien, trotz Annexion der Krim - keine, noch so kleine Kritik an Moskau, übrigens von keinem der gesammelten ‚Linken‘. Ludger Vollmer, Altgrüner, plappert tatsächlich von Pazifismus. Kaum zu glauben, dass Menschen behaupten für Demokratie oder Frieden zu sein und sich gleichzeitig einreihen zwischen Nationalisten und Anhängern einer Diktatur. So wird der Begriff 'Linke' vollends ad absurdum geführt. Pegida und Wagenknecht rufen gemeinsam: Hilf uns Putin.

Liebe Kollegen Praml, Engler, Lisa Fitz, Musikkabarettist Hagemann, Chansonier Meyer, Kabarettist Kröhnert, liebe Nina Hagen, Jule Neigel, und ihr anderen Künstler. Euer Motto: Aufwachen! Nächstes Mal könnt ihr ja versuchen genauer hinzusehen.
Wir alle, die für die demokratische Seite der Gesellschaft stehen, sollten keine Plattform gründen oder ein Video drehen. Sonst müssten wir noch kotzen, mit Geigenmusik und in Zeitlupe.
Besser wir stehen auf bevor es andere tun.

Mittwoch, 25. Juli 2018

Glattbügelpresse

Was ist los? Unter der Prügel von rechts, unter dem ununterbrochenen Geschrei von ‚Fake News‘ und ‚Lügenpresse‘ sind die Medien offenbar schon von alleine dabei zusammenzubrechen, sich selbst abzuschaffen.

Noch werden Sender nicht abgeschaltet von rechtsnationalen Idioten. Sie haben nicht die Macht. Aber unsere Medien verschaffen ihnen gerade diese Macht, freiwillig. Sie geben keiner Partei eine größere Plattform als der rechtsnationalen AfD. Als ob sie um ihre Abschaltung und gleich um die Zerstörung der Demokratie betteln wollten.

Parlamentsdebatten haben ausgedient, dafür gibt es ja die Talkshow.
Der Chef des ARD-Politmagazins „Monitor“, hat zuletzt kritisiert, dass in Talkshows nur noch Schlagwörter aus dem rechtsnationalen Spektrum als Überschriften taugen. „Ich teile die Kritik dass mit der Übernahme von Begriffen wie 'Flüchtlingsflut' ... rassistische Kampagnen der AfD verstärkt werden“, sagt Georg Restle und findet das widerwärtig.

Natürlich - auch vorher haben die Medien schon fleißig gebettelt und ein Netz der Dummheit gesponnen. Die Kastelhuber Spatzen pfeifen es schon lange von den Dächern. Schlimm genug, dass wir uns die weiße Massai, das Traumhotel, oder das Traumschiff bieten lassen müssen, klebriger, klumpiger Kolonialkitsch. Herzkino à la Leni Riefenstahl. Der bildungsferne Zuschauer ist begeistert. Fernsehen eben. Und YouTube für ihre Kiddies eben mit Hip Hop Gangsta Rassismus. Alles normal.

Seit einiger Zeit aber zieht das Tempo an, jetzt wird es Ernst.
Jede Talkshow ein Gruselkabinett. Nur noch die Säcke und Besen aus den Reihen neuer Nazi Parteien. Zur besten Sendezeit dürfen sie hetzen und dementieren.

Noch höher die Quote in der Halbzeitpause eines WM-Spiels - da wird natürlich ein Interview mit dem Rechtsnationalen Hassprediger Gauland fällig.
Und im Juli taucht tatsächlich der rechtsnationale Sprecher der AfD in einem Sommerinterview der ARD auf. Seid ihr noch ganz dicht? Dicht sind hier offenbar die Grenzen des Verstandes. Meuthen bestätigt, er sei für eine Kooperation mit der italienischen ‚Lega‘, sie hätten die gleichen Ziele. Die Journalistin, die das Interview führt, ist nicht in der Lage dieses Bündnis als das zu benennen was es ist, das Bündnis mit einer faschistischen Partei, oder, noch besser, das Interview an dieser Stelle zu beenden, um klar zu machen, ein Abgeordneter, der sich mit einem Parteichef solidarisch erklärt, der Flüchtlinge „absaufen“ lassen will und diese als „Menschenfleisch“ bezeichnet, hat kein Recht mehr, als Gesprächspartner Ernst genommen zu werden.

Eine Partei, die menschenverachtende Politik betreibt, sich der Sprache der Nazis bedient, ist keine ganz ‚normale‘ Partei. Wann begreift ihr das endlich? Mit Hetzern kann es kein ‚Gespräch‘ geben. Aber das Fernsehen besäuft sich an seiner eigenen Ausgewogenheit, bis es untergeht.

Montag, 23. Juli 2018

Trump beherrscht die Welt

Ein neuer politischer Stil. Und alle machen mit.
Keine Begegnungen mehr, keine Augengespräche, keine Presserklärungen.
Trump hat es vorgemacht und alle folgen. Politiker twittern die Gesetze, posten den nächsten Panzereinsatz und teilen den nächsten Regierungs-Tweet.

Es wird nur noch getwittert und gezwitschert. Großartiger Junge. Kompletter Versager. Fantastische Deal. So in der Art. Big Day. Big Deal. Big Daddy. So sad.
Früher stand auf den amerikanischen Bomben: Peace Maker. Die Botschaft erreichte den Empfänger noch etwas schneller und war auch verständlicher. Ein explosiver Tweet sozusagen.

Hier in Deutschland steht zumindest noch auf den Dosen: Mindestens haltbar bis... 
Asyl Tourismus, Herrschaft des Unrechts... Mindestens haltbar bis 1945? Nein. „Umvolkung“ „Lügenpresse“... gibt’s heute noch.

Seehofer wehrt sich gegen ‚Sprachpolizei‘.
Gute Idee: Sprachpolizei - und Sprachabschiebungen. Weidel, Höcke, Gauland - ab nach drüben.

Sonntag, 22. Juli 2018

Fraschnullige Pengagine

Fraschnullige Pengagine sind großartig. 

Unbekannte Lebensformen beinahe. Und damit das so bleibt, wehre ich mich gegen Autokorrektur. Die Pengagine sind eben keine Pentagone, sie sind einmalig. Und wenn sie erst einmal fraschnullig sind... toll. Das muss man gesehen haben. Entschuldigung. Das ‚Man‘ natürlich mit von beiden Händen mit jeweils zwei Fingern in die Luft gemalten „Gänsefüßchen“. Und vielleicht mit schief gelegtem Kopf. Oh. So sieht der Sprechende schon fast so aus wie ein fraschnulliger Pengagin. Und kein Bengalin. Die Welt ist schon über und über bevölkert mit unfraschnulligen Nicht-Pengaginen.

Nachdem die piepsende Enten und quakende Gänse an schlechtem Geschmack zugrunde gegangen sind, hatten auch die röhrenden Ratten kaum noch eine Überlebenschance, obwohl sie verzweifelt zwischen Sportstudios und Mama hin und her wetzten, sich das Fell bis auf eine Bürste auf dem Kopf über die Ohren ziehen - und dann die übriggebliebene nackte Haut mit dummen Sprüchen und Bildchen verzieren ließen. ‚Verzieren‘ natürlich mit von beiden Händen mit jeweils zwei Fingern in die Luft gemalten „Gänsefüßchen“. Aber ohne schief gelegten Kopf, das sähe schwul aus. Und dann wären ja alle wie alle. Und wie alle will ja keiner aussehen. Also wollen alle so aussehen wie alle anderen. Und auf diese Weise gibt es nur wenige fraschnullige Pengagine. Aber die haben es in sich. 

Montag, 25. Juni 2018

#zsmmn #WM2018

Der offizielle Hashtag des DFB heißt, man glaubt es kaum: #zsmmn - das sagt alles. Wie jeder Hashtag. Wie der WM-Song: „Wir sind zsmmn doof“.
Hashtag, Laute, Silbenklumpen - Silben ist reden, verschweigen ist Gold. #zsmmn - Hashtag eines unerträglichen Zustandes in der Politik, der Kultur, im Fußball. Jenseits von Spots, Songs, Tweets und Hashtags sieht die Wirklichkeit anders aus. Alles kracht auseinander. Niemand ist mehr zsmmn. Weder Europa, noch Deutschstämmige und Deutschmächtige, geschweige denn Seehofer und Merkel, BAMPF, Ämter und Politik, FIFA und der Fußball, Fußball und die Nationalmannschaft. Özil und Gündogan nicht zsmmn mit der Mannschaft. Denn da ist dieses dumme Foto - und wenn nicht dumm, dann noch schlimmer.

Bierhof, Sprecher von Le Mannschaft, frisch vom Händeschütteln mit Haargel-Sponsoren zurück, erklärt entschuldigend, man müsse verstehen wie die Türken ticken.
Türken ticken wie Zeitbomben, man weiß nie, welchem Präsidenten sie als nächstes die Hand geben. Treffen mit Präsidenten von Gottesstaaten, Autokonzernen, Geldübergabeinstituten, Scheichs, Zaren, Energieriesen und Gazprom - das ist ja ohnehin schon Tradition...

Dazwischen kommen nur noch die lästigen Pflichttermine: Filmaufnahmen für die Respect-Kampagne gegen Rassismus, die mittels Morphing zeigt, wie über hässlichen Gesichtern ständig die Frisuren wechseln. Hoffentlich verderben die ganzen Anti-Rassismus-Spots nicht den Fototermin mit dem nächsten Tyrannen.

Alles ist gut. Erdogan hat die Kampagne gegen Rassismus nicht übel genommen. Huldvoll lässt sich der Sultan mit seinen Helfern Özil und Gündogan ablichten.
Das nützt bei den Wahlen und außerdem ist die Türkei der einzige Konkurrent Deutschlands um die Bewerbung Ausrichter der nächsten EM.
Die EM ist sicher. Alles ist sicher. Alles ist gut.
Außerdem kommen wieder einmal die Unter-Den-Teppich-Kehrer zu Hilfe und behaupten, Kritik an Özil und Gündogan sei Rassismus.
Nein, ist es nicht. Ägyptens Mo Salah hat sich wegen der Propagandafotos mit dem Mörder und tschetschenischen Diktator Ramsan Kadyrow zumindest sehr unwohl gefühlt. Emr Can, deutscher Nationalspieler (nicht nominiert), hat sich sogar einem Foto mit Erdogan verweigert. Es geht also auch anders.

Özil und Gündogan mussten sich allerdings keine Sorgen machen: von der Nationalmannschaft wird ein Spieler nur dann ausgeschlossen, wenn wir es mit wirklichen Verbrechen zu tun haben - wir erinnern uns nur an Effenberg und Schumacher: Mittelfinger zeigen oder ein Buch schreiben. Da versteht der DFB wirklich keinen Spaß. Aber Diktatur, Hooliganismus, Korruption - Entschuldigung: Fußball ist ein Männersport. Die Fragen nach Doping, Menschenrechten, Meinungsfreiheit bleiben Fragen für Weicheier. Alles ist gut.
Außerdem beteuert der DFB, die beiden stünden voll hinter dem Grundgesetz. Jetzt fehlt nur noch der Satz: Der Trainer sitzt auch nächsten Samstag noch auf der Bank.

Nach-Vorne-Schauen-Phrasen, Marketing, Abschottung, das alles passt zwar zur Türkei und auch nach Russland, aber immer noch nicht, so hoffte ich bis jetzt zumindest, zu einer deutschen Nationalmannschaft. Verunsicherung. Auch das Fußballspiel bleibt so letzten Endes auf der Strecke. Das war gut zu sehen gegen Österreich, gegen die Saudis und im ersten Vorrundenspiel gegen Mexiko. Weil eben nichts zsmmn ging. Oh oh ohhh.

Die Spieler liefen in der Gegend herum wie bestellt und nicht von der Agentur abgeholt. Plattenhard, Müller - das Phlegma von Özil und Khedira, die Phantome der Opas, keine Tempowechsel, kein Kombinationsspiel - Masterplan und nichts dahinter.
Fußball, Spiel, Mut, Unberechenbarkeit - sie kamen nicht nur nicht zusamm. Es war eine Gleichung mit mehreren Unbekannten. Welche Risse und Brüche sind hier sichtbar geworden?

Zusamm bleim... Ich kann den Schwachsinn nicht mehr hören. Deshalb habe ich diesmal auch so wenig Lust auf eine WM. Kommerziell war die Veranstaltung immer schon - aber das alles ist zu einem Super-Event verkommen, das erst durch Korruption und Käuflichkeit zustande kommt, dann von Sklaven gebaut wird, von gedopten Spielern bevölkert, der Geheimdienst hat auch noch die Hände im Spiel und kein Schiedsrichter weit und breit. Während der Gastgeber seine Gegner im Lager verrotten lässt, bekommen wir Putins Nutten, Bier, Gazprom und Schröder zu sehen. Widerlich.

Und auf dem Platz nur noch Werbeikonen, beleidigte Grazien wie Neymar oder Messi, Gladiatoren wie CR7 - Typische Szene im Spiel gegen Mexiko. Kroos pflanzt sich Nase an Nase vor dem Schiedsrichter auf. Soll heißen: Ich bin Real, ich bin Chef. Der Schiedsrichter schiebt ihn auf Abstand und macht ihm klar: Ich bin der Chef. Dieses Posen, alle Posen aller aufgepumpter Tätowiermodelle ist nichts - vor allem keine neue ‚Körpersprache‘ - nur Theaterdonner.

Und dann doch noch Fußball wie wir ihn lieben. Wieder Kroos. Fehlpass. Staunen, Null zu eins. Kampf, Ausgleich. Zu wenig. Letzte Sekunde vor dem Ausscheiden in der Gruppenphase. Freistoß. Wieder Kroos. Drin. Aufschrei. Erlösung.

Und gute Mannschaften: Kolumbien, Island, Schweiz, Belgien, England, Kroatien... Sie sind heiß auf das Spiel. Wird es darum in Zukunft überhaupt noch gehen? Ich will wieder Lust auf Fußball bekommen, ich will gute Gespräche, Vernunft und eine demokratische Gesellschaft. Ja, ich weiß. Sonst noch was?

Freitag, 13. April 2018

Nazi 'Echo'

Vortäuschung einer Preisverleihung, Vortäuschung von 'Musik', Vortäuschung von Qualität, Vortäuschung einer Fernsehsendung. Eine widerwärtige Veranstaltung war die 'Echo'-Verleihung immer schon. Eine Werbe-Show, die ausschließlich Verkauf und Mainstream feiert.

Dass uns hier die ganzen verblödeten, vernuschelten Lallkönige aufs Auge gedrückt werden, wissen wir. Dass die Frigiditätskönigin Fischer hier Dauerpreisträgerin ist, wundert niemanden mehr.
Dass sprachunfähige, aufgepumpte Wortspucker uns ihre Gewaltphantasien entgegenschleudern, finden die meisten schon lange normal. Fotze, Schwuler, aufhängen, jagen - kein Problem - ist ja Hip Hop.

Aber dass Bumms, Schwanz und Brudaa jetzt auch schon härteste Nazi Kacke auf dieser Veranstaltung verkaufen dürfen, ist neu. Ah, da sind sie ja, die mit dem dummen Gesicht, Kampffrisur, aufgeblasene Oberarme, IS-Bart, Goldketten, Klunker - wo sind ihre Nutten? Ah ja, da.
Bang und Kollegah - ja wir wissen, ihr seid zu doof Namen richtig zu schreiben - rotzen und witzeln und mumpfen und dumpfen, schlagen um sich, beleidigen und hetzen.

"Diese Syrer vergewaltigen dein Mädel, Bitch
Sie sagt, 'Lass mich in Ruhe!', doch er versteht sie nicht
Zerlege dich, gab mir Testo
Mach' dein Bahnhofsghetto zu Charlie Hebdo
(...)
Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen
Ich tick' Rauschgift in Massen, ficke Bauchtaschenrapper
... ah"

Nein, der Text ist echt. Echt.
Wo sind wir hier gelandet?
Leider wurden die psychisch gestörten Dummbeutel nicht an Ort und Stelle verhaftet, sondern bekommen auch noch einen Preis für "Jung, Brutal, Gutaussehend 3"

Und warum?
"Dieses Album kommt, weil ihr wieder Ansagen braucht
Fuck mich ab und ich ficke deine schwangere Frau (ah)
Danach fick' ich deine Ma, die Flüchtlingsschlampe"

Ach so.
So viel zum 'Echo'. Und noch etwas: Hat das Publikum diese Musik-Terroristen von der Bühne gejagt? Nein.
Wer von den Stars hat bei dieser 'Preisverleihung' das Maul aufgemacht? Der Preisträger Mark Forster, der so lange auf seinen Preis warten musste? Der wollte schön brav sein. Die Helene Fischer? Sicher nicht. Sie würde ihre ganzen AfD-Groupies verlieren. Alles in allem eine Schande. Soviel zu unserer Musikszene. Nur Campino hat protestiert. Das macht ihn fast sympathisch. Aber er stand auf verlorenem Posten. Soviel zu 'Gesicht zeigen'.

Fazit: Wenn in der Schule ein weiterer kleiner Kapuzenträger auf einen Scheiß Juden spuckt oder einen Schwulen verprügelt oder ein Mädchen ohne Kopftuch als Schlampe bezeichnet, wissen wir, dass ihre preisgekrönten Vorbilder ihre Arbeit getan haben. Gedeckt vom Schweigen der Anderen.

Montag, 9. April 2018

Und wieder: psychisch Gestörte

Ein psychisch gestörter Mann fährt in einem Campingwagen in eine Menschenmenge vor einem Restaurant. Münster trauert. Die Menschen halten inne. Die Trauer wird natürlich sofort von Tweets gestört. Die psychisch gestörte Bundestagsabgeordnete Frau von Hass twittert sofort. Alle Gestörten müssen immer sofort twittern.
'WIR SCHAFFEN DAS' twittert sie, garniert den Tweet mit einem Hass-Emotion, das ein dummes kleines Gesicht mit Hass-Grimasse zeigt. Unverkennbar das Profilbild der Frau von Hass, vom Blute derer von Storch.

Das dumme kleine Gesicht ist tatsächlich Mitglied des deutschen Bundestages geworden, weil viele dumme, kleine, verschreckte Gesichter aus einer Menge Gesichtsloser das Kreuz an der rechten Stelle machen mussten. Hat das Kreuz schon Haken? Wenn wir uns die Hackfressen ansehen, mit denen das kleine, dumme Gesicht im Parlament sitzt, dann heißt die Antwort: Ja. Wir müssen das Schlimmste befürchten.

Der psychisch gestörte Mann im Wagen ist offenbar ausnahmsweise kein psychisch gestörter Religiöser, sondern ein psychisch gestörter Gestörter, der andere mit in den Tod reißen wollte. Die psychisch gestörte Frau muss trotzdem zwanghaft twittern. Zwanghaft twittern ist eine Gewohnheit der psychisch Gestörten geworden. Egal was passiert, sie twittern 'WIR SCHAFFEN DAS' - also, den Hass zur Regel zu machen und ihn in handelsüblichen Simpelbotschaften in die Menge zu feuern.

Wer ist verantwortlich für das Böse? Sind es die Terroristen, die psychisch gestörten Religiösen oder die psychisch gestörten Gestörten... vor allem - wo ist der Unterschied? Frau von Hass kennt sich da aus, aber sie feuert nur dann auf die Gestörten, wenn sie aus einem anderen Land kommen oder von anderer Religion sind. Und wenn die jetzt noch nicht im Auto saßen, dann bald. Das ist eine Drohung. Sie kennt sich da aus.

Die psychisch gestörten Religiösen wollen andere mit in den Tod reißen, damit sie im Paradies der psychisch Gestörten als Helden gefeiert werden können. Die psychisch gestörte Hasspredigerin bleibt leider Abgeordnete, bis wir Gesicht zeigen und sie abwählen.

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Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.