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Die Bibel


Zu Weihnachten laufen im Fernsehen die Filme die immer laufen und die Filme, die dem mit Gans, Schwein, Kuchen und Alkohol vollgestopften Zeitgenossen noch zusätzlichen Schweiß auf die Stirn treiben. Pferde, lachende Räuber, singende Kostüme, sinkende Riesenschiffe mit Frauenchor, Geigen, Bläser, das volle Lärmprogramm von Schüssen bis Explosionen und schließlich die Blicke und Blicke und das Ringetauschen und die Tränen und die Intrigen vor wilden Meeren und Landhäusern im Grünen. Nichts zu machen.
Der Gipfel aber zu später Stunde auf RTL. Wo sonst. Die Bibel, weniger geht nicht. Und die ganze Bibel rollt nicht mit Zwanzigtausend Komparsen und einem Sandalenträger auf uns zu, das ginge ja noch, sondern in Gestalt von Ben Becker.
Ben Becker, der Durchgeknallte, liest mit zitternder, von Rauch und Alkohol verwöhnter, bedeutungsschwangerer Stimme, mit Schweiß auf der Stirn, unter Videospielereien und begleitet von einem riesigen, bedeutungsschwangeren Orchester mit Geigen, Bläsern und vollem Programm - die Bibel. Das Orchester schwillt an wenn Becker eine bedeutungsschwangere Pause macht und es raunt wenn Becker wieder anschwillt, heiser weiter dräut und malt und auf alle Tuben drückt. Also, Ben Becker ist kein guter Schauspieler und auch kein Kinski, nur ein Schmierenkomödiant, der den wilden Mann markiert.

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Im Gedenken an meinen Freund Thomas Reis

Rede zur Trauerfeier in der "Comedia" am 30. August 2024 Thomas Reis. Es sind so viele Freunde da, es ist so viel vorbereitet. Mir fällt es schwer heute über ihn zu sprechen. Am liebsten würde ich weinen und anschließen ein paar Kölsch trinken. Aber: Thomas sagte: Du hältst die Rede. Toll. Diese Rede zu schreiben hat von mir das verlangt, was ich in über dreißig Jahren immer von Thomas verlangt habe. Von 1000 Seiten Text 995 zu streichen. Es sind so viele Erinnerungen, so viele Fußballspiele, so viel Kölsch, so viele Reisen, so viele wundervolle Auftritte, auf Gold-, Holz-, Kartoffel- und Reis-Bühnen, in Freiburg, Berlin, im Theater am Sachsenring und auch in der Comedia. Hier wollte er eigentlich nicht mehr auftreten. Kein Platz mehr für alte weiße Männer, erzählte er mir. Jetzt ist er doch wieder da. Geht doch. Thomas? Ich höre dich. „Liebe Freunde der belesenen Betroffenheit, Feministen und Feministinnen, trans-, bi-, homo- hetero- und metrosexuelle Menschenfreund*innen al...

Mahagonny in der Kölner Oper

Es begann vielversprechend. Ein kleiner weißer Vorhang öffnet sich (die Brecht-Gardine), eine karge, tiefe, öde Landschaft mit einem halb aufragenden Schiffswrack wird sichtbar. Ein altes Auto mit Anhang rattert auf die Bühne und bleibt mit einem Knall in der Mitte liegen. Zwei Schreckgespenster, Fatty und der Dreieinigkeitsmoses (Martin Koch, Dennis Wilgenhof), absurde Figuren, wie dem Kabinett des surrealen Expressionismus entsprungen, finden, bis zur Küste ist es zu weit, zurück ist es zu weit, die Witwe Begbick (Dalia Schaechter: düster, schön, mit Kraft), steigt in den grauen Himmel, auf der angehängten Maschine tritt Technik in Form einer Hebebühne in Aktion, sie findet, man werde also bleiben und die 'Netzestadt' gründen: Mahagonny. Und dann? Dann kommen die Frauen, die Haifische, die Jungens. Wenn Jim Mahony (Matthias Klink) sich langweilt, ist das sehr komisch, wenn Jenny (Regina Richter) singt "Denn wie man sich bettet so liegt man" dann ziehen mich Stimme...

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Tag der deutschen Einheit. Nach der Wahl. Das wäre doch eine Gelegenheit für Kultur. ODER? Mal schauen. Eine Show. Moderiert von Kiwi, der weiblichen Hüpfburg und unerträglichen Quasseltante, die sonst Volksmusikanten durch den ZDF-Garten scheucht. Das ZDF will aber an diesem Tag auch die jungen Scheintoten erreichen. Also sind die Gäste der Show natürlich hippe Hütchenträger, deren werbekompatibler Nöhl- und Nuschel-Pop so austauschbar klingt, dass alle zufrieden sind und niemand mehr unterscheiden kann, ob Max Giesinger oder Max Giesinger auf tanzenden Frauen herumreitet. Und der Osten? Was servieren wir dem Osten? Jan-Josef Liefers, weil der eben aus dem Osten kommt und im Tatort spielt. Er darf zeigen, dass er auch ein Hütchen tragen und nicht singen kann, seine Frau röhrt derweil in einer Kult-Ost-Band. Himmel. Schnell zurück in den Westen. Mary Roos und Thomas Anders führen in einer Art modern talking durch ihre Heimat. In Einspielern. Dann das nächste Hütchen, ein als Lockenko...