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Ich wollte einen Fisch kaufen, jetzt ziehe ich in den Krieg.


Absetzung einer Oper wegen Terrorgefahr. Sieg der Angst? Wir diskutieren über vorauseilenden Gehorsam, über Selbstzensur. Jetzt wollen alle die Freiheit der Kunst behaupten, die wir doch schon lange preisgegeben haben im Sumpf des pompösen Kitsches, der Verlogenheit von Tele-Novelas, der Mega-Top-Events, der Monumental-Opern, der Eichinger-Filme, der Verkaufs-Shows, der Effenberg-, Bohlen- und Eva-Herrmann-Bücher. Heißt das Fernsehen, Theater, Lesen? Wer sagt nein zu denen, die tatsächlich und ununterbrochen Kultur aus der Öffentlichkeit verbannen, weil Bücher, Filme, Musicals nur noch nach ihrem Verkaufswert gemessen werden. Von der Traumfabrik zum Block-Buster, von der Phantasie zur Fantasy, vom Theater zur Performance. Von der Förderung freier Kultur zum Abschied von freier Kultur.

Da sich das deutsche Theater immer erfolgloser um sich selbst dreht, bestimmt es seinen Marktwert über leichte Kost (für die Abonnenten) und, auf der anderen Seite, über Skandalisierung, Provokation (für Medien und Feuilleton). Jesus und Skandal ist allerdings schon langweilig geworden, höchstens noch gut für leichte Proteste aus der gewohnten Ecke. Aber Mohammed? Das gibt mindestens brennende Fahnen, Morddrohungen und eine fette Schlagzeile. Doch Vorsicht: einen Schritt zu weit und der kurzfristige Ruhm endet im Leichenschauhaus. Deshalb hat die Intendantin der Deutschen Oper auch ein bisschen Angst bekommen.

Bisher hat sich noch nie jemand beschwert, wenn für Quote und Auflage täglich Menschen gejagt, Persönlichkeitsrechte verletzt und Gefühle missachtet werden. Das ist normal. Was also ist anders? Dogmatiker und Eiferer schlagen zurück. Markt, Einfältigkeit und Hass gehen aufeinander los. Was guckst du? Ich schlag dir die Fresse ein, denn Mann ist Mann.

Der Mann der nicht nein sagen kann will einen Fisch kaufen, erhält eine Gurke, macht einen Soldatenspaß mit, ändert seinen Namen, wird nach einer Scheinerschießung ein anderer und zieht in den Krieg, der vorgesehen war.
Soweit die zufällige Geschichte in einem Stück von Bertolt Brecht, das im Theater am Sachsenring zur Premiere kommt.

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