Vor langer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, gab es im Kino Breitwand und Technicolor, die Alternative war das Theater. Es regte unsere Phantasie auf besondere Weise an, erzählte von fernen Räumen, nahe liegenden und nahe gehenden Konflikten, von Königen, Eheleuten, Kobolden, wie in allen Zeiten - und es waren dort Figuren zu beobachten, die menschlich agierten, über die wir lachen oder staunen konnten. Vorbei. Heute beherrschen spartenübergreifende Mixturen, angereichert von Lärm und Video die Bühnen des Landes. Seit Jahren, fast Jahrzehnten, toben sich Eventmanager, Performer und Experimentierer in den großen und kleinenTheatern aus und behaupten, erst mit Recherche gäbe es Realitätsnähe und nur mit der Abbildung von Realität würde sich Aktualität einstellen. Nur das sei innovativ. Welch ein Irrtum. Jedem Trend, jedem politischen Skandal reflexartig hinterherzulaufen, kreiert eine Art populistisches Pop-Theater. Nichts anderes. Im Ergebnis wird so jedes Theaterschiff gege...
Joe Knipp - Essays - Glossen - Knipp und Klar