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Junger Wahlkampf

Nichts wie hinterher! Hip, cool, Netz, jung, geil. Plötzlich sind auch Politiker jung. Seht euch die Plakate von Lindner an. Jung und hip. Und siehe da, nein, es ist kein Katzenvideo, es ist ein Schulz, der einem Mädchen Fragen beantwortet. Alles jung. Nur die Antwort könnte jünger sein. Massentierhaltung könne nur gemeinsam mit der europäichen Union... Das Mädchen ist irritiert. Wenn das so kompliziert ist...
Nihan fragt Schulz

Die Youngster, die sich normalerweise filmen, während sie an Haar- und Modetipps arbeiten und dafür Millionen ‚Follower‘ sammeln, nennen sich YouTuber und sprechen neuerdings für die Jugend. Jetzt machen sie nicht nur Haare, sondern auch noch Politik. Noch eine Frage an Schulz: „Was war der größte Mist, den sie gebaut haben?“ - Interessante Frage. Aber Schulz bleibt auf bekanntem Niveau. Er habe einmal Waschpulver ins Freibad geschüttet. Im Wahlkampf? Wer denkt sich solche Fragen aus, wer sind diese YouTuber, die mittlerweile schon in Talkshows auftreten?

Damit die Follower wissen, wo’s lang geht, nennt sich einer von ihnen einfach Mr. Wissen. Nein, Mr. Wissen to go! Quatsch, noch besser: MrWissen2go! Ja. Mehr braucht es auch nicht, um alles zu wissen über Mr. Wissen... Wissen to go. Früher hieß das: Zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus. Oder noch besser: doof bleibt doof...

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Im Gedenken an meinen Freund Thomas Reis

Rede zur Trauerfeier in der "Comedia" am 30. August 2024 Thomas Reis. Es sind so viele Freunde da, es ist so viel vorbereitet. Mir fällt es schwer heute über ihn zu sprechen. Am liebsten würde ich weinen und anschließen ein paar Kölsch trinken. Aber: Thomas sagte: Du hältst die Rede. Toll. Diese Rede zu schreiben hat von mir das verlangt, was ich in über dreißig Jahren immer von Thomas verlangt habe. Von 1000 Seiten Text 995 zu streichen. Es sind so viele Erinnerungen, so viele Fußballspiele, so viel Kölsch, so viele Reisen, so viele wundervolle Auftritte, auf Gold-, Holz-, Kartoffel- und Reis-Bühnen, in Freiburg, Berlin, im Theater am Sachsenring und auch in der Comedia. Hier wollte er eigentlich nicht mehr auftreten. Kein Platz mehr für alte weiße Männer, erzählte er mir. Jetzt ist er doch wieder da. Geht doch. Thomas? Ich höre dich. „Liebe Freunde der belesenen Betroffenheit, Feministen und Feministinnen, trans-, bi-, homo- hetero- und metrosexuelle Menschenfreund*innen al...

Kultur - ich bin optimistisch

Tag der deutschen Einheit. Nach der Wahl. Das wäre doch eine Gelegenheit für Kultur. ODER? Mal schauen. Eine Show. Moderiert von Kiwi, der weiblichen Hüpfburg und unerträglichen Quasseltante, die sonst Volksmusikanten durch den ZDF-Garten scheucht. Das ZDF will aber an diesem Tag auch die jungen Scheintoten erreichen. Also sind die Gäste der Show natürlich hippe Hütchenträger, deren werbekompatibler Nöhl- und Nuschel-Pop so austauschbar klingt, dass alle zufrieden sind und niemand mehr unterscheiden kann, ob Max Giesinger oder Max Giesinger auf tanzenden Frauen herumreitet. Und der Osten? Was servieren wir dem Osten? Jan-Josef Liefers, weil der eben aus dem Osten kommt und im Tatort spielt. Er darf zeigen, dass er auch ein Hütchen tragen und nicht singen kann, seine Frau röhrt derweil in einer Kult-Ost-Band. Himmel. Schnell zurück in den Westen. Mary Roos und Thomas Anders führen in einer Art modern talking durch ihre Heimat. In Einspielern. Dann das nächste Hütchen, ein als Lockenko...

Etwas Positives

soll ich schreiben, riet mir jüngst eine Freundin. Ich willigte ein und legte mich ein bisschen auf mein Ohr, um Ruhe zu finden. Ich wache auf, weil Geschirr und Bücher aus den Regalen stürzen. Die Tapete reißt auf: Dahinter gähnt eine Leere, die mit einem Mal von gleißendem Licht durchschnitten wird. Ein komischer Mann mit vorgeschobenem Unterkiefer singt: "Wir sind alle deine Kinder". Der Herr Westernhagen, so heißt der Nachbar, quetscht ein paar Töne aus seiner Lederjacke, während der Schutt dampft und Steine stürzen. "Ein kleines bisschen Sicherheit", schreit ein verletzter Junge zwischen den Trümmern meines Hauses, während eine Frau mit dickem Bauch, die draußen auf der Straße sitzt, leise nach dem letzten Einhorn Ausschau hält. "Ein Herz für Kinder" flüstert sie und senkt den Blick. Am Ende der langen, gewundenen Straße kommen die Helfer und bauen Kräne, Schienen, Transformatoren, Scheinwerfer und Kameras auf. Es wird eine große Show. Da erwache ic...