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Domburg zum zweiten

Strichcode, Müde, Augen klein. Das Meer liegt groß und wartet. Es rauscht und rollt an die holländische Landesgrenze. In Domburg Ruhe finden unter all den Kölnern. In Domburg ist alles deutsch, außer den Holländern. Aber vielleicht lässt sich dort eine Zeitung einmal bis zur letzten Seite lesen, oder die Sonne scheint heller, oder der Sand läuft in die Schuhe, die lieber alleine wären und lächeln. Holzpflöcke verschwinden langsam im Wasser, noch am Strand werfen sie lange Schatten, die Möven verlachen den Strichcode. Weg mit den Anträgen, weg mit all dem Mist, der sich auf die Seele legt. Der Dom soll sich doch alleine amüsieren. Mir sin fott.

Lieber Spiegel,

Dir ist aber auch schon mehr eingefallen. Und Du hast Dich auch schon in sehr viel kürzeren Abständen geäußert. Was gibt's? Sauer übers 'Niemandsland', enttäuscht über die Kulturpolitik, entnervt über die Bürokratie, ärgerlich über den Fußball? Ja, was hast Du denn erwartet? Enttäuschung ist das Aufheben einer Täuschung. Gut so. Schon manche Leserin, mancher Leser haben gewarnt, nicht so oft so kritische Töne anzuschlagen. Das rächt sich. Da verfinstert sich die Laune. Außerdem bemüht sich Köln schon so lange, den freien Fall ins Niemandsland nicht aufhalten zu müssen. Overath präsidiert den FC, Konzepte und Pläne erklären uns die Kultur, während die Kultur, die es schon gibt, abgeschafft wird, sie passt nicht auf das viele Papier, das geschrieben wird, damit eine Leuchtturmkultur entsteht. Wenn Pläne geschrieben werden, diese Pläne werden schnell zu Stein. Der Stadtanzeiger - nein nicht nochmal. Immerhin wird in Spalten notiert, was die Anzeigenkunden übriglassen. Immer...

Niemandsland

Es regnet. Es ist fünf vor zwölf. Manchester United ist englischer Fußballmeister. Der 1.FC Köln ist im Niemandsland der Zweitklassigkeit verschwunden. Das Theater liegt im Trüben. Auf der Bühne ist nicht mehr zu sehen, was einmal scharf war und es liegt noch im Nebel, was einmal entstehen wird.

Domburg zum ersten

Ostern. Urlaub?  Für einen Theatermacher hieße das: Licht aus, Vorhang zu, Tür zu. Die Alternative wäre frische Luft. Also mutig auf nach Domburg. Domburg, da steckt der Dom gleich mit drin. Denn der muss immer mit. Sich ein bisschen um Antwerpen herum verfahren, dann nach Zeeland an die Küste. So schnell, so weit. Möwen schreien und ruhig rauscht das Meer. Alles fließt langsamer, was sonst unter Scheinwerfern zappelt, nur der Wind reißt an den Dünengräsern, der Blick sehnt sich ins Unendliche und käme auch dort an, wenn nicht eine Stimme sagen würde: "Hallo Joe!" Man trifft sich. Costa vom Filos, den Rogler sah ich letztes Jahr. In den Gassen von Domburg wird Kölsch gesprochen - bei uns im Veedel. Wir wollen Ruhe finden und fahren nach Domburg. Paradox. In der Ooststraat von der Pizza-Terrasse ins Eiscafé, danach ins Strandcafé. Kinder schaukeln im Sand, ein dicker Turm aus einem Traum steht in den Dünen, am Horizont ein schwach leuchtendes Segelboot, meine Liebste lächelt ...

Dachgedanken

Ein Blick über die Dächer. Dahinten steht der Dom. Davor steht die Severinskirche. Rechts einer von tausend Kränen. Davor sind Dächer. Darunter leben die vielfältigsten Menschen, essen schlechtes Essen, lesen dumme Zeitungen, hören süße Musik, laufen blind vom Sofa zur Küche und verfetten. Oder sie sind mager, saufen Bier aus Flaschen, starren in die Röhre und gehen uns allen auf die Nerven. In den Abstellkammern schreien sich kleine Kinder die Köpfe rot. Die Küchen werden ausgefegt werden, die Häuser stehen zum Abriss, die Zukunft ist verkauft, die Zeit verdünnt sich. Die Verwahrlosten werden umgesiedelt. Wir stehen im Weg. Zuviele schon. Uns bleibt der Dom, das muss reichen. Kulturhauptstadt. Wie immer. Schön.

Doku Soap

Noch eine neue Doku-Soap im Fernsehen. "Die Gesundheitspolizei" kontrolliert, ob Fettsäcke, Raucher und dünnen Heringe auch frisches Obst im Haus haben, ob sie einen Imbiss einnehmen können ohne direkt an Doppel-Moppel, King-Size-Dick, Los Wochos oder Kentucky schreit denken zu müssen und - ob sie ihre notorisch schlechte Laune loswerden. Ohne Fritten. Vorschlag der Gesundheitspolizei: einmal ein Wohlfühl-Wochenende mit der Frau, ein romantisches Essen mit Kerzen und Liebesbriefchen. Ein bisschen Frieden, ein bisschen Aufmerksamkeit. So die Botschaft an den Mann. Der Mann lernt. Man beobachtet ihn mit der Kamera, wie er ein süßes Briefchen schreibt, in einer kritzelnden Kinderschrift, wie er Herzchen malt mit Filzstift, ganz langsam, die Zunge fest zwischen die Lippen gepresst. Erste Worte: "Hi, Schatzi, ...". Hier bleibt ein kurzer Aufschrei und die Erkenntnis: solche Sendungen machen mich krank.

Hart

Wir haben hart am Wind und am Spaß gearbeitet. Der Text "Machen Frauen wirklich glücklich?" ist in zweiter Lesung siebzig Seiten leichter, angereichert mit vielen Frauen, mehreren Hochzeiten und manchem ratlosen Mann. Verstehen Sie nicht? Männer kriegen den Blues, Frauen kriegen eine Bluse. Verstehen Sie immer noch nicht? Dann müssen Sie noch etwas warten. Thomas Reis eröffnet das Comedy-Festival im Oktober und ist dann im November in seinem Stammhaus, dem TAS, zu sehen.