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Die große Welt

Die kleine Welt schwimmt lustig auf der Oberfläche des einen seichten, trüben Tümpels weiter. Die große Welt geht unter: George Tabori, Ulrich Mühe, Ingmar Bergmann, Michelangelo Antonioni, Michel Serrault. Traurig.

Schau, Bayreuth

Ich hatte das Vergnügen Bayreuth von innen zu sehen. Ich war erstaunt über die engen Sitzreihen, das kleine Festspielhaus - der Ruhm macht die Dinge größer als in Wirklichkeit. Ich war erstaunt über die Treppen, den Saal, die Säulen, die Akustik, die Töne, die von irgendwo kommen, sich fügen und überwältigen. Ich hatte das Vergnügen, Boulez dirigieren zu sehen, zu hören. Ich musste die Augen schließen, denn der Parsifal wurde von Schlingensief inszeniert und der hatte Nah-Tod-Erlebnisse aufzuarbeiten, auf der Bühne. Es flimmerte, zuckte, drehte sich, Faktoten, Nackte, blutige Fingerspuren, na ja, Regietheater eben. Katharina Wagner, die Ur-Enkelin vom Richard, wollte 'entrümpeln', wollte die Festspiele mit Schlingensief aufpeppen. Nur mit geschlossenen Augen war der Zauber der Musik noch spürbar. Katharina soll den grünen Hügel erobern und ihr Meisterstück mit den 'Meistersingern' abliefern. Und was sehe ich im Fernsehen? Weiße Farbe spritzt über die Bühne, weiße Flüs...

Domburg zum dritten

Und ich steh wie gebannt Auf der Treppe zum Strand. Von den Dünen nach unten. Da seh ich dann Bälle Und menschliche Wälle Vor der Sonne, der bunten. Und die Kinder, die schreien, Füttern Möwen, verleihen Ein Förmchen voll Sand, An der Treppe zum Strand Sonnenuntergang, diesmal nicht im Zusammenhang mit dem sagenhaften Köln, sondern im kleinen Domburg, nach Wein und Omlette und der Frankfurter und ein paar Gedanken, die nicht so finster sind. Jetzt sitz ich hier in Domburg und sehe im WDR, mit reichlich Schnee im Bild (wo gibt's das noch?), die Kölner Lichter. Das Feuerwerk mit Musik: "zo Foß noh Kölle jonn...". Es ist schon komisch. Hat die Stadt das verdient? Ja. Absolut. Wunderbar. Kölsch. Gerade noch ist der 'Major' mit dem Hut in der Ooststraat vorüber gegangen, wir haben uns als alte Südstädter gegrüßt, jetzt spielt das Orchester im Fernsehen, in Köln "verdammp lang her..". So ist das. Schön. Die Entfernung, der Seewind, machen milde und melanch...

Domburg zum zweiten

Strichcode, Müde, Augen klein. Das Meer liegt groß und wartet. Es rauscht und rollt an die holländische Landesgrenze. In Domburg Ruhe finden unter all den Kölnern. In Domburg ist alles deutsch, außer den Holländern. Aber vielleicht lässt sich dort eine Zeitung einmal bis zur letzten Seite lesen, oder die Sonne scheint heller, oder der Sand läuft in die Schuhe, die lieber alleine wären und lächeln. Holzpflöcke verschwinden langsam im Wasser, noch am Strand werfen sie lange Schatten, die Möven verlachen den Strichcode. Weg mit den Anträgen, weg mit all dem Mist, der sich auf die Seele legt. Der Dom soll sich doch alleine amüsieren. Mir sin fott.

Lieber Spiegel,

Dir ist aber auch schon mehr eingefallen. Und Du hast Dich auch schon in sehr viel kürzeren Abständen geäußert. Was gibt's? Sauer übers 'Niemandsland', enttäuscht über die Kulturpolitik, entnervt über die Bürokratie, ärgerlich über den Fußball? Ja, was hast Du denn erwartet? Enttäuschung ist das Aufheben einer Täuschung. Gut so. Schon manche Leserin, mancher Leser haben gewarnt, nicht so oft so kritische Töne anzuschlagen. Das rächt sich. Da verfinstert sich die Laune. Außerdem bemüht sich Köln schon so lange, den freien Fall ins Niemandsland nicht aufhalten zu müssen. Overath präsidiert den FC, Konzepte und Pläne erklären uns die Kultur, während die Kultur, die es schon gibt, abgeschafft wird, sie passt nicht auf das viele Papier, das geschrieben wird, damit eine Leuchtturmkultur entsteht. Wenn Pläne geschrieben werden, diese Pläne werden schnell zu Stein. Der Stadtanzeiger - nein nicht nochmal. Immerhin wird in Spalten notiert, was die Anzeigenkunden übriglassen. Immer...

Niemandsland

Es regnet. Es ist fünf vor zwölf. Manchester United ist englischer Fußballmeister. Der 1.FC Köln ist im Niemandsland der Zweitklassigkeit verschwunden. Das Theater liegt im Trüben. Auf der Bühne ist nicht mehr zu sehen, was einmal scharf war und es liegt noch im Nebel, was einmal entstehen wird.

Domburg zum ersten

Ostern. Urlaub?  Für einen Theatermacher hieße das: Licht aus, Vorhang zu, Tür zu. Die Alternative wäre frische Luft. Also mutig auf nach Domburg. Domburg, da steckt der Dom gleich mit drin. Denn der muss immer mit. Sich ein bisschen um Antwerpen herum verfahren, dann nach Zeeland an die Küste. So schnell, so weit. Möwen schreien und ruhig rauscht das Meer. Alles fließt langsamer, was sonst unter Scheinwerfern zappelt, nur der Wind reißt an den Dünengräsern, der Blick sehnt sich ins Unendliche und käme auch dort an, wenn nicht eine Stimme sagen würde: "Hallo Joe!" Man trifft sich. Costa vom Filos, den Rogler sah ich letztes Jahr. In den Gassen von Domburg wird Kölsch gesprochen - bei uns im Veedel. Wir wollen Ruhe finden und fahren nach Domburg. Paradox. In der Ooststraat von der Pizza-Terrasse ins Eiscafé, danach ins Strandcafé. Kinder schaukeln im Sand, ein dicker Turm aus einem Traum steht in den Dünen, am Horizont ein schwach leuchtendes Segelboot, meine Liebste lächelt ...