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Fernsehcrash Nachschlag

Die Diskussion über 'Blödsinn' und 'Schwachsinn' im Fernsehen, über Unterhaltung, die mehr sein sollte als Herrenwitze und Lachen vom Band, diese Diskussion hat überhaupt einen interessanten Nebeneffekt. Ich kann kaum mehr Blödsinn unbefangen ansehen, ohne 'Blödsinn' zu denken. Ich sehe die komischen Menschen, die in jeder Talkshow sitzen um Werbung für ihre komischen Bücher und ihre komischen Programme und ihre komischen Sendungen zu machen, und ich sehe die komischen Gesichter und denke: Ja. Reich-Ranicky hat Recht. Deformationen. Nichts kann gesendet oder gesagt werden, ohne dass Komiker nicht Mund und Augen aufreißen - und noch einen 'draufsetzen' müssen. Zwangsneurotiker. Nach dem Fußball, nach der Show, im Talk. Kein Wort über Mario Barth, nicht noch eins über Atze Schröder, aber eins über Ralf Schmitz (RTL), der aus gegebenem Anlass in einem Talk von der Fernsehpreisverleihung erzählt. Und er macht ein komisches Gesicht und erzählt dass, während...

Fernsehcrash

Viele haben das Fernsehen schon kritisiert, "aber nach hause gegangen bist nur Du" sagt Gottschalk, der Marcel Reich-Ranicky "aus gegebenem Anlass" im Fernsehen befragt, der wiederum nichts bedauert, zu später Stunde und nichts zurücknimmt, nachdem er den "Fernsehpreis" für sein "Lebenswerk" oder das "Literarische Quartett" - oder was auch immer - zurück gewiesen hat, weil er sich im Rahmen einer furchtbaren Veranstaltung (in Köln, wo sonst), im Rahmen von soviel 'Blödsinn' nicht zu hause fühlte. Das, was er zu sehen bekam, fand er "scheußlich, abscheulich". Köche auf der Bühne, Atze Schröder, Peinlichkeiten und dümmliche Reden. Eben so furchtbar wie immer. Viele denken so wie RR, aber nur er ist gegangen. Die anderen blieben, auch die intelligenten Leute. Was ist passiert? "Ja", antwortet RR, "man sagt irgendeine Banalität, die eigentlich jeder sagen könnte, aber niemand beweist den Mut oder die Lust,...

Finanzcrash

Hypo, Supi Dupi! Real Estate, ja, das real existierende Geld ist wie der real existierende Sozialismus nicht vorhanden. Prima Klima für uns Manager. Wir haben nichts gewusst. Aber wir werden gestützt. Wir sind so satt dass uns schlecht wird, gebt uns Medizin. Ihr seid so doof, da helfen keine Pillen. Euch kann man das Fell mehrmals über die Ohren ziehen. Viel Spaß mit Hartz IV! Wir haben unsere Nutten, Schmiergelder, gekaufte Politiker, alles was wir brauchen. Werbesendung für die Börse. Geld futsch? Selber Schuld. Her mit der Abfindung. Holla, bloß keine Vorurteile, Kapitalismuskritik ist nicht mehr. Wir haben gewonnen. Der Finanzmarkt kracht in sich zusammen und die eine Frage taucht auf: Warum? In regelmäßigen Abständen. Experten haben das schon vor Jahren beantwortet und analysiert, beschrieben und prognostiziert, Marxisten vor Jahrzehnten erklärt. Es passiert trotzdem immer wieder. Aber keine Sorge, unsere Politiker haben jetzt die Lösung: Wir brauchen Regeln. "Wi...

arte

Die wichtigsten Dramatiker auf arte. Eine Serie über die großen Theatermacher. Schön. Schön? Wir ahnen es schon. Es wird wie immer. Fernsehen. Simpel. Aktualisiert. Dumm. Wir sehen in billigen Doku-Szenen billige Schauspieler, einer spielt den Shakespeare als Immobilien-Schnösel im Anzug mit Aktenköfferchen. So also gründete er das 'Globe'. Wir sehen Molière in Sandalen wie er Grimassen schneidet. Wir sehen Mädchen, die glockenhell lachen und in wallenden Gewändern mit ihm in einem alten VW-Bus durch die Lande gondeln, aha, fahrendes Volk, arme Künstler, aha, freie Liebe. Ja, das Publikum ist wirklich so dumm. Ich hatte mich auch auf den ZDF-Theaterkanal gefreut, seinerzeit. Und heute? Was wird gesendet? 'Erkennen Sie die Melodie?', 'Disco 72' mit dem unerträglichen Ilia Richter, André Rieu und sein durchgeknalltes Puffärmelorchester... Theater? Das gibt es ja noch nicht einmal mehr auf der Bühne, oder? Gute Nacht

Nach vorne schauen!

"Wir müssen jetzt nach vorne sehen". Sagt jeder in der SPD. Jetzt geht das dämliche Fußballtrainergelaber wieder los. Immer wenn das Spiel verloren, das Kinde in den Brunnen gefallen ist, der Vorsitzende durch den Hinterausgang flüchtet, immer wenn die Panzer schon im Lande stehen, die Menschen verjagt sind, tritt irgend ein Idiot vor die Kamera und sagt: "Wir müssen jetzt nach vorne schauen". Weil vorher nichts getan wurde, weil alle schwiegen und nach vorne in die Kamera schauten, weil alles laufen gelassen wurde, weil die Intriganten ihre Fallen ungestört auslegen durften. Leise treten, das Unglück nicht beschreien. Und dann sagen: "Nur nicht nachtreten, unterhaken." Keine Haltung, keine Verbundenheit, bloß keinen Konflikt offen austragen, das schadet, darum steht man jetzt vor einem Scherbenhaufen und schaut nach vorne. Jetzt heißt es loyal sein gegenüber dem Polit-Barometer, der Einschaltquote, den Umfragen, den Gesichtslosen, den Mächtigen, gegenübe...

USA: Republikanischer Parteitag

Diese Vizekandidatin in Amerika beim Parteitag der Elefanten - na, Sie wissen schon - die hat einen Knall. Nein, nicht wegen ihrer Tochter, die minderjährig schwanger ist - Doppelmoral war schon immer die herausragendste Eigenschaft aller Reaktionäre - na, Sie wissen schon - nein, auch nicht weil sie für den Krieg im Irak ist, das war Bush auch, der wie im freien Theater, als Video auf die Bühne kam - na, Sie wissen schon - nein, sie hält diesen Krieg für Gottgewollt. Na, Sie wissen schon! Und da ist sie nicht die erste. Kreuzzug, heiliger Krieg, wie auch immer. Heilige Einfalt. Na, Sie wissen schon.

Ich werde es vergessen

Scholl-Latour nuschelt sich durch die Talk-Shows. Das heißt: In der Welt ist nicht alles zum Besten bestellt. Obama spricht im Stadion. Der FC spielt im Stadion. Alles 1:1. Russische Panzer rollen in fremden Ländern, Hilferufe kommen auf Befehl, die Armee zieht ab, verschwindet aber nicht, die Banken ziehen ab, das Geld aber versickert in schwarzen Kanälen, Protestanten werden ausgewiesen, Aktienpakete gehen auf Reisen, Daten kursieren. Bei uns im Theater hat es angefangen. Zum zweiundzwanzigsten Mal. Zu Beginn keine gedopte Premiere, sondern eine gute, alte Komödie mit echten Schauspielern und echtem Spaß und einem beglückten Publikum. Ohne falsche Bescheidenheit: Es war eine glänzende Spielzeiteröfnung. Gong!