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Hilfe, die Gustloff kommt!


Nein, liebe Fernsehzuschauerin, es gibt kein Entkommen! In diesem Meer von bombastischer Krachmusik, brüllenden Tränen, martialischen Männerstimmen, Frauenkreischen und bedeutungsschwangeren O-Ton-Diskussionen werden wir ertrinken müssen. Dank unserem ZDF wird Rosamunde Pilcher in den Krieg zur See geschickt.
Nach den vielen wahnsinnigen TV-Mehrteilern über den Führer, über das große Afrika und seine Liebesdramen unter Kolonialfamilien und Palmen, über Dresden und seine heißen Geschichten von Liebe und Leidenschaft zwischen Gutsbesitzertöchtern, Krankenschwestern und Kriegsgefangenen mit Migrationshintergrund - jetzt der nächste Untergang.
Wie immer vor dem Hintergrund authentischer Geschichte, großer Geschichte. Der zweite Weltkrieg ist immer gut für die schönsten Liebesgeschichten. Und danach ist lange noch nicht Schluss. Zum großen TV-Zweiteiler im Zweiten gibt es dann noch die große TV-Dokumentation mit Guido Knopp und seinem 16:9 Historikergesicht, dem wichtigen. Korrekt.
Wir Deutschen haben keine Titanic mit Eisberg und di Caprio-Sonne. Also was tun? Denn für eine Ich-bin-der-König-der-Welt-Szene braucht es nun mal ein großes Schiffeversenken. Hurraa! Wir haben die Gustloff, Gott sei Dank. Ein Schiff, Flüchtlinge und harte Männer mit Küstenwache-Gesichtern unter großen Schirmmützen, die in waberndem Nebel zwei Finger auf ein Auge legen, um besser sehen zu können. Kein Wunder, dass wir den Krieg verloren haben.
Der Kai Wiesinger mit seinem Pflaumengesicht spielt den Harten für die Schwiegermütter und Heiner Lauterbach den Weichen, oder ist es gar umgekehrt? Verlieben sie sich gar Beide im Sturm der Liebe in Valerie Niehaus, der Soap-Darstellerin aus Wege im Glück oder Rosen für immer? Jedenfalls verheißen die Großaufnahmen mit feuchten Augen in der Vorschau schon das Liebesdrama vor spritzender See und schreienden Statisten. Jaja, alles ganz fürchterlich, damals. Und historisch und groß.
Dann aber auch bitte Christiane Hörbiger, wie sie sich noch einen großen Braunen bestellt, bevor sie durch den Sturm gepeitscht wird, um vom schnittigen Michael Mendel geküsst zu werden, wenn die Wellen über ihnen zusammenschlagen. Währenddessen hat Frau Niehaus im Rettungsboot alle Mitreisenden zu Tode gequatscht.
Alles ganz gut, aber nicht gut genug. Statt internationaler Starbesetzung, die üblichen deutschen Brötchenengesichter aus den großen TV-Romanen, nach vier Teilen Krieg und Frieden mit Pferden, Blut und Tränen, jetzt zwei mickrige Teile auf dem Wasser, statt Hitler und Eva mit anschließender großen Dokumentation über Hitler und Eva, jetzt Das Boot für Arme. Statt brennender Städte ein paar Wasserfontänen? Hoffentlich gibt's wenigstens genug Blut. Sonst möcht ich lieber gleich Musikantenstadl oder Boxen im Zweiten.

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