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Frauen. Frauen und Bäume.

Frauen und Bäume und ein Beobachter. So wollte ich das schreiben, als ich noch jung und unschuldig war. Dann ist mir dieser Schweizer Dichter zuvorgekommen, Gomringer, der hat dann für ähnliche Zeilen einen Preis bekommen. Aber dafür muss er jetzt auch büßen. Denn so kann mann das ja nicht schreiben. Das hätte er wissen müssen. Ich hab das damals schon befürchtet.

Bewunderer – Beobachter. Das geht zu weit. Schon stehen Frauen auf den Barrikaden. Das muss verboten werden. Denn der Beobachter ist ein Sexist, weil er beobachtet. Und dann dachte ich: Nein, Frauen, ihr seid nicht so dumm. Eine böse Dystopie.

Alice Salomon Hochschule Berlin - in altem Zustand
Tut mir leid. Weit gefehlt. Es ist schon soweit. Das Gedicht stand an der Gebäudewand einer Uni. Aber Gott sein Dank gab es dort nicht nur Studenten, sondern auch Studentinnen, nein, Studierende, obwohl - Studentinnen sind nicht unbedingt Studierende - aber auf jeden Fall Frauen. Also sorgen sie für Säuberung. Das Gedicht musste übermalt werden, Gott sei Dank.
Entschuldigung. Göttin sei Dank. A propos:
„Wann haben Sie zum letzten Mal was gemalt?“ fragt die Moderatorin von ‚heute plus‘. Ah, eine Frau in den Medien.
„Also nicht die Kuli-Kritzeleien, die beim Telefonieren entstehen“, moderiert sie, sondern - malen nach Zahlen. Das unbewusste, kreative Gekritzel ist - was? Entartet?
Genial. Kichernde Frauen treffen sich zum Nachmalen. Sie malen einen Affen. So einen wie auf Hauswänden. Street Art. Was ist Nachmalen? Nachmalen ist für die Frauen Freiheit. Die Reporterin ist natürlich dabei, um alles zu beobachten. Auch sie kichert und quietscht, wie die anderen Teinehmerinnen.

In den Museen sorgen die besorgten Frauen dafür, dass Bilder abgehängt werden, aber hier machen die Frauen selbst Kunst, rufen, wenn sie fertig sind „Ta daa“ - und präsentieren ihre Bilder. Nachmalen ist schwierig, aber sozial. Das ist die Hauptsache. Das lernen die Frauen in diesen Workshops. Malen nach einer Vorlage. Was ist das Ziel in diesem Spiel? Ziel ist: Gute Laune. Was sonst. Kommt aus Amerika: „Social Painting Event“. Bewundernswert.
Die Männer telefonieren derweil, kritzeln sich was zusammen und hören Musik.
Aber die Frauen wissen: Auch Musik kann Frau selber machen. Auch dafür gibt es Events. Rudelsingen. Für die gute Laune. Rudelsingen von Schlagern, da singt Frau sich frei, denn Musik muss gute Laune machen. Vergesst Mozart. Oh Gott, ich habe gesungen, oh Gott, ich habe gemalt und es hat Spaß gemacht.
Das ist auch eine Kunstauffassung.

Danke, liebe Frauen. Danke für Rudelsingen, den ein oder anderen Hashtag. Danke für Fahrradhelm und Cappuccino bei der Totalüberwachung der Kinder. Danke für das gleichzeitige Verfassen einer Petition gegen Datenspeicherung, natürlich. Teilen, teilen, teilen. Und alles gewaltlos. Vegetarische Malerei, vegetarisches Singen, vegetarisches Übermalen.
Kein Sex in der Kunst. Bitte keine Nackten. Modelle sind Objekte.
Böse Schauspieler müssen aus Filmen herausgeschnitten werden. Böse Bücher müssen verboten werden.
Buddha Statuen sprengen. Ach nein, das waren die anderen.
Und auf jeden Fall müssen wir noch alle Lieder und Gedichte umtexten, die sexistisch sind von wegen Beobachter und so. Und erst wenn die Beobachter abgeschafft sind, kann es heißen: Alle Menschen werden Brüder – nein, auch nicht, das geht gar nicht. Besser Schwestern. Und dann: Bitte kein Vaterland. Besser Mutterkuchen. Gott sei Dank. Nein, Göttin sei Dank. Genau.
Und da Gott eine Dame ist, sollten wir auch anders beten: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Dämlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Liebe Frauen, ich bewundere euch immer noch, aber ich bin nicht auf eurer Seite. Die Rache für Hexenverbrennung ist nicht die Bücherverbrennung.

Quellen: heute plus vom 17. März 2018; Alice Salomon Hochschule Berlin 2018; Gleichstellungsbeauftragte Kristin Rose-Möhring im SPD-geführten Bundesfamilienministerium 2018

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