Direkt zum Hauptbereich

Lindner Baby auf dem Nonstop Flug über den Ozean der Regierungsbeteiligung abgestürzt

Ein Nonstop-Flug über den großen Ozean der Regierungsbeteiligung - das gab's schon lange nicht mehr. Die FDP-Maschinen am Boden. Defekt. Keine Starterlaubnis. Also auf ein Neues. Die Mechaniker haben sich auf Frisur, Hemd, Dreitagebart und Auftreten des Lindner-Babys, also des Piloten, konzentriert. Dazu der neue Trend: Digitalisierung. So fliegt sich's besser. Auch ohne Flugzeug.

Die Zeitungen und Plakate zeigen das Baby beim Jacke anziehen, Smartphone betrachten, Am-Türrahmen-Stehen. In Turnschuhen. Kann es fliegen? Nein. Hauptsache die Performance stimmt. Alles in Schwarz-Weiß mit Schlagschatten. Das Lindner-Baby will sein Fläschchen, das heißt Spontaneität und Digitalisierung, Flexibilität, Startups, Innovation. Was das heißen soll? Nichts. Kann das fliegen? Nein. Das Lindner-Baby bleibt am Boden und behauptet es sei von der Konkurrenz zum Absturz gezwungen worden.

Dann der entscheidende Satz: "Lieber nicht fliegen als falsch fliegen." Toll. Ein spontan formulierter Satz des Lindner-Babys. Es kann nicht nur sprechen, sondern lernt diesen Satz auswendig - in 50 Tagen - und der wird veröffentlicht. Überall. Große Schrift. Eine Sekunde nachdem der Satz ausgesprochen ist, hat er schon eine Werbeplattform.

Das Lindner-Baby muss allerdings noch von den Überfliegern der SPD lernen. Da stand der Satz: "Schulz landet in der Regierung" im Netz noch bevor er ausgetauscht wurde durch den Satz "Wir fliegen erst gar nicht", bevor auch der sich als falsch erweisen sollte und ausgetauscht wurde durch: "Wir landen doch, aber ohne zu fliegen", bevor der ersetzt wurde durch "Wir sind gegen das Fliegen. Aber alle brauchen unser Flugzeug, Bätschi!"

Beliebte Posts aus diesem Blog

Im Gedenken an meinen Freund Thomas Reis

Rede zur Trauerfeier in der "Comedia" am 30. August 2024 Thomas Reis. Es sind so viele Freunde da, es ist so viel vorbereitet. Mir fällt es schwer heute über ihn zu sprechen. Am liebsten würde ich weinen und anschließen ein paar Kölsch trinken. Aber: Thomas sagte: Du hältst die Rede. Toll. Diese Rede zu schreiben hat von mir das verlangt, was ich in über dreißig Jahren immer von Thomas verlangt habe. Von 1000 Seiten Text 995 zu streichen. Es sind so viele Erinnerungen, so viele Fußballspiele, so viel Kölsch, so viele Reisen, so viele wundervolle Auftritte, auf Gold-, Holz-, Kartoffel- und Reis-Bühnen, in Freiburg, Berlin, im Theater am Sachsenring und auch in der Comedia. Hier wollte er eigentlich nicht mehr auftreten. Kein Platz mehr für alte weiße Männer, erzählte er mir. Jetzt ist er doch wieder da. Geht doch. Thomas? Ich höre dich. „Liebe Freunde der belesenen Betroffenheit, Feministen und Feministinnen, trans-, bi-, homo- hetero- und metrosexuelle Menschenfreund*innen al...

Karin Beier bringt die Jelinek im Schauspielhaus zum Tanzen

Auch diesmal (wie schon bei den ‘Nibelungen’) habe ich eine der umjubelten Inszenierungen von Karin Beier erst mit zeitlichem Abstand sehen können. Fern vom Jubel oder der Theater-des-Jahres-Hysterie sehe ich neue und alte Textflächen der Jelinek - und - dieser Abend reißt mich wirklich hin. Fasziniert, in Bann gezogen bin ich. Dieser Abend bestätigt im besten Sinne den Satz: Theater ist Kontext. Vermutlich hat der Abstand den Abend noch schärfer gemacht. Noch deutlicher werden uns Zusammenhänge zwischen Staudamm-Bau, U-Bahn-Bau, Wasser, Beton, Atomkraftwerk, Tsunami, Tod und Schuld. Das Wasser. Es soll bleiben wo es ist. Das Wasser kommt. Ein Thema in Variationen. Die Assoziationsketten zwischen den Satzketten der Jelinek lösen durch das Spiel Worte, Bilder, Emotionen aus, Überlegungen, Verstrebungen, die immer wieder mit Wasser, mit Gewalt, Natur, Mensch, Beherrschbarkeit, Überwältigung oder Tod zu tun haben. Dieser Abend reizt die Sinne und das Hirn. Er bietet das, was Theater aus...

Nackt und feucht

Ich gehe gerne ins Theater. Aber was heißt schon Theater heutzutage? Es ist mehr als Theater. Es ist Halle, Werkstatt, Studio, Fabrik, Raum... eine nackte Fläche. Auf der nackten Fläche sind Mikrophone zu sehen. Ach ja, Mikrophone. Kein Schauspieler ohne Mikrophon. Alles erinnert jetzt an ein Pop-Konzert. Die Grenze zwischen Zuschauerraum und Bühne ist gefallen. Die Ebenen überlappen sich. Theater ist Pop, Event. Eins ist allerdings im Theater noch anders: Mitklatschen und Wunderkerzen werden ersetzt durch: Flüssigkeiten. Schauspieler sind immer nass, feucht, stecken in kurzen Höschen, Unterhemden, Unterröcken, fallen hin, stehen auf – nackt und feucht. Und sie sind immer bei der Arbeit. Auf den großen Bühnen gibt es immer etwas zu laufen, zu springen, zu turnen, bis zur Verausgabung. Toll. Und schon sind alle verschwitzt, feucht, nass. Früher bewunderte der einfache Zuschauer, die simple Zuschauerin, wie ein Schauspieler, eine Schauspielerin sich so viel Text merken konnte, heute si...