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Schnee von gestern - frisch gefallen

ZINNOBER probt an geheimem Ort für das nächste Konzert im 'Alten Pfandhaus' in der Kölner Südstadt. Alte und neue Songs. Am 1. Mai um 20 Uhr werden sie gesungen und gespielt. Hier einer der Songs, der schon in dem Stück "Für alle Fälle Fritz" Premiere hatte. Jetzt also mit Gesang, Vibraphon und Bassgitarre. Kind im Manne Wir liegen ineinander fest verschlungen. Mir war, als hätt' ein wildes Tier gesungen. Wir öffnen uns und fühlen uns als Paar. Mir ist, als wenn da schon mal etwas war. Ich stecke tiefer drin von Nacht zu Nacht. Die Frauen denken doch nur an das Eine. Sie brüsten sich und zücken ihre Beine Und ich bin wieder um den Schlaf gebracht. Mein Kind im Manne steht noch gut im Futter. Es bleibt mein Kind und ich, ich bleibe Mann. Die Frauen finden's Kind und finden dann, Es ist so süß- und spielen gleich die Mutter. Sie finden es so hilflos und erziehen Das Kind im Manne und den Mann gleich auch. Das Kind wird mager und der Mann kr...

Pullunderträger, Kabarettgänger, SPD-Wähler, Rotweintrinker,

Seid modern, aufgeschlossen, schreibt Leserbriefe und sitzt im Theater, lasst euch langweilen und findet das normal. Ihr wollt schließlich nicht als Rotweintrinkende Spießer gelten, deshalb findet ihr jedes Herumbrüllen auf der Bühne, jede Projektion und jeden Spritzer 'interessant'. Ihr lasst euch gerne quälen, das gehört zum Deal. Kunst muss unbequem sein, so habt ihr es im Feuilleton gelesen. Wer Kunst will, muss leiden können. Arme Verstörte. Die Miniatur-Bewegungsübungen in Endlosschleife, das ewige Vor und Zurück, das unverständliche Gemurmel, das war nur eine neue Wahrnehmung, so findet ihr, von "Dantons Tod". Ein neues Konzept. Im Kölner Schauspielhaus war es gar nicht langweilig, nein, die dummen Zuschauer, die immer noch glauben, im Theater könne man ein Stück sehen, haben ihre Langeweile bloß "mitgebracht". So wird unter 'Kommentare' auf der Website fleißig geschrieben. Zum Beispiel von einer Tante, die ich mir so vorstelle: Am Computer ...

Mut zu Kultur - Welcher Inhalt hinter welcher Fassade?

Vor einem Jahr ahnte am Rosenmontag noch niemand, dass die Jecken und die Zuschauer einem großen Unglück nur knapp entkommen würden. Auf der Severinstraße brach das große Haus, in dem das Archiv der Stadt untergebracht war, ein und versank in einer Baugrube für die Nord-Süd-U-Bahn. Nach dieser Katastrophe wirkten die Südstädter eher leise, nachdenklich, traurig in ihrer Empörung über den Einsturz und den Tod zweier Menschen. Das habe ich gesehen. In diesem Jahr gab es zu den Gesängen, dem Schwung und der Farbe im Rosenmontagszug auch eine Politisierung, die über den Zug hinaus ging.  Nach einem Jahr wissen wir, dass Eisenbügel zur Stabilisierung gestohlen, Protokolle gefälscht wurden, die Aufsicht untätig blieb, sich eine Lüge auf die andere türmte. Die Liste an Schlamperei, Lüge, Korruption, Diebstahl und Betrug ist so lang geworden, dass sie selbst für Kölner Verhältnisse ein unglaubliches Maß erreicht hat. Nun ist die Wut über Verwal...

Hamm

Auf den kleinsten Bahnhöfen heißen gewisse Örtlichkeiten, Entschuldigung - Locations - nicht mehr Toiletten, sondern "Mr. Clean". Ja. Ja. Und in Hamm gibt es seit neuestem die Aktion "Mapping the region"! Was wird hier gemappt? Unbekannte Schätze? Werden die letzten weißen Flecken kartografiert, unentdeckte Volksstämme gefunden? Es gibt, wie wir von Menschen wissen, die witzig sein müssen, Geschichten über Eingeborene, die rau aber heatzlich sind, "Wodka Wick Blau" trinken und Körriewuast essen. In Hamm gibt es zu alledem noch ein neues Projekt: die "Local Hero Woche". Nicht bei McDonalds, nein, ganz Hamm macht Kunst, local Kunst. Hamm ist nämlich im "Netzwerk" Ruhr 2010 Kulturhauptstadt Europas. Ja. Mister Local singt: If you can make it there, you make it anywhere! Tschauiii. Gib mich nochn Pils. Noch etwas: Ich mag Podolski. Ich will, dass er für den 1.FC Köln stürmt. Immerhin haben wir uns das alle jahrelang gewünscht. Und er...

Kunst im Bau

Sind wir nicht schon genervt genug? Brauchen wir nicht auch Orte, an denen wir nur sitzen, oder warten oder essen und trinken dürfen ohne genervt zu werden? In der Kneipe müssen wir einen Platz finden mit ausreichendem Abstand zu den wummernden Lautsprechern, denen wir schon aus dem Straßenverkehr versucht haben zu entkommen. Dann die Blickrichtung. Nicht ständig auf die esoterischen, bunten, traurig gepinselten Bilder schauen müssen, die Veedels-Künstler aufhängen dürfen. Und nun? Die U-Bahn, die neue, kurze, ist noch nicht eröffnet, schon wird "Kunst" geplant. Die "Neumarkt-Collage" am Neumarkt oder die "Kölner Köpfe" am Appellhofplatz sind schon unvergesslich genug. Nun soll uns also bunte, schrille Performance-Malerei (Kneipenkunst in Riesenformat) von ruhigen Momenten abhalten. Der Vorstandssprecher der KVB spricht von einem "bedeutenden Kunstprojekt". Diese Sorte Vorstandssprecher schauten im vorigen Jahrhundert zuhause auf einen traurige...

Die Blauen, die Roten und die Gelben

Die neue Vorzeigediktatur China lässt keine Gelegenheit aus, zu zeigen wie's geht. Wer Bauprojekten nicht weichen will, wird umgesiedelt oder totgeschlagen. Wer dagegen protestiert, wird totgeschlagen oder eingesperrt. Einen Schriftsteller hat man für seine Unterschrift unter eine Charta für mehr Demokratie zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Zukunft hat begonnen. Der Internet-Konzern Google, der mit den Zensurbehörden Chinas immer friedlich zusammengearbeitet hat, also bestimmte Begriffe gar nicht erst suchte oder anzeigte, erlebt erstaunt einen umfassenden Hacker-Angriff auf Daten von Oppositionellen, damit auch diese gefunden und eingesperrt werden können. Und jetzt entdeckt Google sein Gewissen (Marktanteil in China ist ohnehin nur 20%). Im Kino läuft der Film 'Avatar', der umgehend bei den Chinesen so gefragt ist, dass die Diktatur erneut eingreifen muss. Das liegt offenbar an der Geschichte. Es geht um Zwangsumsiedlung. So etwas kann sich nur auf einem fremde...

Etwas Positives

soll ich schreiben, riet mir jüngst eine Freundin. Ich willigte ein und legte mich ein bisschen auf mein Ohr, um Ruhe zu finden. Ich wache auf, weil Geschirr und Bücher aus den Regalen stürzen. Die Tapete reißt auf: Dahinter gähnt eine Leere, die mit einem Mal von gleißendem Licht durchschnitten wird. Ein komischer Mann mit vorgeschobenem Unterkiefer singt: "Wir sind alle deine Kinder". Der Herr Westernhagen, so heißt der Nachbar, quetscht ein paar Töne aus seiner Lederjacke, während der Schutt dampft und Steine stürzen. "Ein kleines bisschen Sicherheit", schreit ein verletzter Junge zwischen den Trümmern meines Hauses, während eine Frau mit dickem Bauch, die draußen auf der Straße sitzt, leise nach dem letzten Einhorn Ausschau hält. "Ein Herz für Kinder" flüstert sie und senkt den Blick. Am Ende der langen, gewundenen Straße kommen die Helfer und bauen Kräne, Schienen, Transformatoren, Scheinwerfer und Kameras auf. Es wird eine große Show. Da erwache ic...