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Düsseldorf

Noch haben die Städte kein Geld, aber der Aufschwung kommt. Und eine Stadt wird erst attraktiv, wenn sie in richtige Kultur investiert, weicher Standort-Faktor. Wenn also unsere Lena mit dem nächsten Schlager aus der Raab-Fabrik ihren Titel verteidigt (im Eurovision Song Contest), dann ist das ein Kultur-Event mit Leuchtturm-Faktor. Also will die Stadt Düsseldorf über 9 Millionen Euro als Zuschuss dafür ausgeben. Gute Investition. Kultur muss sein. Zuschüsse für 'Musikantenstadl' oder 'Wetten Dass' (in der Schweiz hat es das schon gegeben), dann können wir uns alle anderen Theater sparen. Aber Köln ist stolz auf seine kleinen Theater - nein, nur auf das eine: das Hänneschen Theater, das Stockpuppenspiel um Hänneschen und Bärbelchen. Das ist auch immer ausverkauft. Deswegen soll es jetzt noch mehr Zuschüsse von der Stadt bekommen, die ja bekanntlich kein Geld hat, weswegen es diesmal nur noch 165.000.- € zusätzlich sind, insgesamt 1 Million Zuschuss, fast soviel wie di...

Söhne des Äthers

Im Theater bezaubert zu werden ist wunderbar. Über Radio Ro hatte ich geschrieben. Über die erste Inszenierung in der Ära Beier, die ich sah. Natürlich war ich jetzt da. Zum neuen Sienknecht-Abend. Die "Söhne des Äthers" sind Söhne und Töchter von Radio Ro. Sie tauchen auf in fast derselben Besetzung. Sie tauchen auf aus der dunklen Stille. Das alte Radio ist wieder da, der Plattenspieler und Gerätschaften mit Lampen und Schaltern. Neu sind die Fauteuils, 60er Jahre, im Halbrund, wie es im Inneren eines Raumschiffes üblich ist. Die Uhren sind keine Studio-Uhren, darüber steht Erde, Mond, Mars. Die Gesichter von Gestalten, unter Helmen von kleinen Stablampen angeleuchtet, tauchen auf. So sehen sie also aus, die Borg, nicht so wie bei 'Enterprise', so wie hier. Ein Höllentrip? Auf jeden Fall ernster als Radio Ro. Aber wieder muss ich Tränen lachen. Odyssee 2001 - Also sprach Zarathustra - mit Cello, Violine und Flöten, schräg, die große Kunst der kleinen Form. Der A...

Abschluss mit Lust

Eine Theaterinszenierung, die von Schauspielerinnen und Schauspielern beherrscht wird? Die Abschlussinszenierung einer Schauspielschule: hier könnte sich das Bühnengeschehen schon naturgemäß um die Spielenden drehen. Erste Voraussetzung für Theater. Und tatsächlich. Im Art Theater Ehrenfeld konnte ich mich freuen, erstaunen, hören, lachen, schauen. Die Abschlussarbeit der Theaterakademie Köln wurde zu einem guten, leichten, schwingenden Abend, der von der Spielfreude des Ensembles geprägt war. Hier wurde sichtbar, was immer seltener sichtbar wird oder werden darf - Energie, Rhythmus, Verwandlung, Komik. Lust. Apropos: Lust und Schauspiel im Theater sind ganz schlecht für Chancen auf Förderung. Das Art Theater - ich konnte mich an der Bar vor der Vorstellung mit dem Kollegen unterhalten, der das Ganze seit Jahren leitet - ist in Gefahr geraten durch die Auslöschungspolitik des Kulturamtes (Amtsdeutsch: Sparkurs). Der Kollege hat reagiert, musste reagieren. Im Art Theater, das sich...

Von Kommunikation, coolen Verträgen und Weltstars im Westen

In Duisburg bleibt der Oberbürgermeister verschwunden. Er sagt nichts. Er tritt nicht zurück. Er habe von nichts gewusst und nichts unterschrieben. Ausgefallener Funk, zusammengebrochenes Netz, fehlende Einsatzzentrale, Chaos und Überforderung, Schuldzuweisungen. Die Talkshows überschlagen sich. Die Familien der Opfer erfahren von der Trauerfeier durch die Zeitung. In einer Talk-Show ohne Loveparade und Kachelmann sitzt ein lustiger Bohlen-Superstar und RTL Dschungelcamp-Kandidat von damals. Einer mit lustiger Frisur, der unter Zwang steht, präsent zu bleiben, der nicht abrutschen will. Er bemüht die Ich-bin-anders-als-ihr-denkt-Masche. Jetzt muss er lustig Jazz singen. Er knödelt ‘Fly me to the moon’ und findet am Schluss die Töne nicht mehr. Eine blonde Schlagersängerin neben ihm, noch lustiger als er, lobt seine Intonationssicherheit. Der Moderator meint, er würde ihn, den Vorurteilsbeladenen, so überraschen. Ja, meint der gemeinte, Menschen seien mal lustig und mal traurig. J...

Wachsgesichter nach der Katastrophe

Der erste Reflex Entsetzen. Sehr bald kommt Zorn dazu. In Duisburg steht ein Zerrspiegel und zeigt ein absurdes, grauenhaftes Bild, das sich zusammensetzt aus scheinbaren Gegensätzen. Wir sehen eine Autobahn, auf der Massen von Menschen feiern und spazieren - Tage später wieder eine Autobahn, diesmal als Stützpunkt für Rettungskräfte, die um das Leben hunderter Verletzter ringen. Das Gewummer der Techno-Party, ein paar Meter weiter weinende Verzweifelte. Kreideumrisse, hier lagen die Toten. Ein paar dumpf-lustige Party-Gänger, denen es nicht peinlich ist, vor Kameras von DJs zu sprechen, die gut aufgelegt hätten, von der Party, die durch die Toten leider einen ‘Knick’ bekommen habe. Heute hören wir Aussagen, eine Stadt wie Duisburg sei viel zu klein, eine solche Masse von Menschen aufzunehmen, geschweige denn zu steuern. Die Erkenntnis, eine Million Menschen könne nicht durch einen einzigen Tunnel geschleust werden. Warnungen und Bedenken wurden im Vorfeld vom Tisch gewischt. Wie ...

Nur Mut (Deutschland scheidet aus)!

Die deutsche Mannschaft war eine andere gegen Spanien. Sie wollte nur spielen, spielen wie die Spanier, das war immer das Ziel und dann waren sie da, die Spanier, zurück in der Zukunft, wie vor zwei Jahren - und standen der deutschen Mannschaft gegenüber. Und die deutsche Mannschaft dachte, das brauche noch Zeit mit der Zukunft. Sie wären noch nicht soweit, dachten sie, wie vor zwei Jahren. So wurde es ein Spiel, das aus der Zeit fiel, kein Spiel im hier und jetzt, kein bedingungsloses Spiel, sondern ein fiktives. Gefangen in der Zeitschleife. Eine Mannschaft von heute gegen eine von morgen. Aber die von morgen hatte doch gestern schon so gespielt wie die Mannschaft von heute. Gegen Australien, England, Argentinien. Wo war sie geblieben, in welchem schwarzen Loch gefangen? Das eigene Spiel spielen, das Spiel beherrschen? Das Finale in Sichtweite standen die Spanier im Blick. Die Mannschaft beherrscht von Respekt vor dem Halbfinale und Angst vor dem Gegner, vor der Man...

Gastkommentar von Thomas Reis

Ein Gastbeitrag: Die neuste Kolumne meines Freundes Thomas Reis in der Frankfurter Rundschau beschäftigt sich - na, mit was? - mit Fußball (vor dem Argentinien-Spiel geschrieben). Wunderbar. Link: Reis' Parteitag: Heul doch, Argentinia! Was ist das Leben? Fußball natürlich... Thomas Reis