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Falsche Sprache wird nicht richtiger, wenn sie verordnet wird.

Köln verordnet Gendersprache. Verwundert reibt sich der Leser die Augen. Ja, der Leser. Der Mensch der liest, egal welchen Geschlechts. Aber warum einfach, wenn's auch kompliziert geht. Warum es einfach richtig machen, wenn es auch falsch verordnet werden kann. Dafür gibt es Bürokratie. Es ist keine neue Erkenntnis, dass Bekanntmachungen der Kölner Stadtverwaltung meist das Gegenteil von dem bedeuten, was sie vorgeben: „Fahrradfreundlich“, „Kulturförderung“ - nun sehen wir: es geht noch schlimmer: „Geschlechtergerechte Sprache“. Ein entsprechender ‚Leitfaden’ verdient nicht einmal das Prädikat ‚Gut gemeint und schlecht gemacht‘. Gut gemeint ist nichts, diesmal geht es schlicht um den Kniefall der Stadtverwaltung vor einer Ideologie. Nicht nur, dass hier jede Regel der deutschen Sprache in den Wind geschlagen wird oder die Ablehnung der Gender-Sprache durch den zuständigen „Rat für deutsche Rechtschreibung“ keine Rolle spielen darf, d urch die Verordnung einer ‚falschen‘ Sprache wil...

Theater.Macher.Innen

3sat kann nicht mehr anders. Diesmal heißt die Sendung: Theater.Macher.Innen. Außer falscher Sprache bleibt die typische, eindimensionale „Verhandlung“ eines Themas, Verhandlung sagt die puritanistische Community, als stünden wir vor Gericht. Tun wir.  In diesen, neuerdings ideologisch orientierten Sendungen muss es natürlich auch ein paar Alibi-Minuten geben. Diesmal dürfen wir einer Frau zuhören, die sagt - Achtung! Regie sei geschlechtslos, sie wolle Regie führen als Mensch, nicht weil sie eine Frau ist. Und ein alter, weißer Mann sagt: Kehrt zurück zur Vernunft. Dessen Aussage hat aber ohnehin keine Bedeutung, denn er ist weiß und alt. Fall erledigt. Zeit um. Jetzt geht’s richtig los.  Schauen wir gleich auf den Höhepunkt. Eine gewisse Pinar Karabulut zeigt sich wild gestikulierend. Sie lässt ständig ihre Hände kreisen, reißt die Augen auf und sagt erschrocken in die Kamera, sie hätte auf der Bühne eine Frau spielen sollen, die geschlagen wird und - habe das natürlich abge...

Hanswurst

Im 17. Jahrhundert wurde schon einmal gestreamt und performed - allerdings noch analog. Wanderbühne hieß das damals. Das Spektakel auf den Marktplätzen, die Performance von damals - so Cross-Over und beliebig wie heute.  Ein bisschen Narretei, Tanz, Witz, Lärm und natürlich Gender - Männer als Frauen. Das Event bestand aus Stehgreifstücken, ein Nummern-Zirkus für unterhaltungssüchtiges Publikum.  Die Bühnen wurden beherrscht von diversen Exemplaren einer Figur, die man „Hanswurst“ nannte. Dessen Darbietungen erschöpften sich in entgrenztem Toben auf glitschigen Brettern und derben, experimentellen Provokationen. Hanswurst schrie, prügelte und zog sich aus. Gott sei Dank sind die Zeiten vorbei - oder? Damals, Ende des 17. Jahrhunderts, erschien mit Friederike Caroline Neuber - Neuberin genannt - eine Theatermacherin, die ein anderes Theater wollte. Sie stellte sich, heute würde man sagen, dem ‚Performativen‘ entgegen. Die Prinzipalin schlug vor, klassische französische Dramen a...

... sah ich Gendersternchen blitzen ... Der Brief zur Intendantensuche

Während der Pandemie gab es Entwicklungen aus den eigenen Reihen, die bestimmte Errungenschaften der uns bekannten Kultur in Frage stellten. Zu diesen Phänomenen habe ich allen Kollegen, mit denen ich mich jahrelang verbunden fühlte, einen Brief geschrieben: Liebe Kolleginnen und Kollegen, am 22. Dezember 2020 wurden der Oberbürgermeisterin Reker aus einem Teil der Kulturszene Kölns in einem offenen Brief Ratschläge zur Suche nach einem neuen Intendanten erteilt – von „WIR, das sind diskriminierungskritische und diversitätssensible Kulturschaffende“. Auch ich war aufgefordert, diesen Brief zu unterzeichnen und habe das selbstverständlich nicht getan. Ich will hier erklären warum. Ich widerspreche den Verfassern des Briefes, die sich „diversitätssensibel“ durch Buchstabenkolonnen, Sternchen und Pluszeichen definieren. In dem Brief wird auf unnachahmlich verschraubte Weise eine „diversitätskompetente Intendanzsuche“ gefordert. Und weiter heißt es: „Die Repräsentation von nicht-weiß posit...

Immer wieder: Satire unter Beschuss

Ich lese von einem Fall in Frankreich. Es geht um eine Karikatur. Mittlerweile gibt es kaum noch ein Thema, das überhaupt noch satirisch behandelt werden kann, ohne dass sich jemand beleidigt oder verletzt fühlt, respektlos behandelt, herabgewürdigt oder nicht auf Augenhöhe gesehen. Durch die permanente Angst von Sendern und Zeitungen, einen falschen Schritt zu machen, die geradezu panische Furcht, das Netz könnte wieder einmal explodieren, werden satirische Beiträge schnell entfernt oder gar nicht erst veröffentlicht. Das Problem: jeder karikierende Strich, jede Typisierung auf der Bühne, löst einen Shitstorm aus, in der Folge wird sofort und reflexhaft eine Entschuldigung eingefordert, von Satirikern, von Kollegen, von Redaktionen, Intendanten, Verlagen, Anstalten. Am besten, denken diese, wir bieten erst gar keinen Anlass. Doch da gibt es noch ein Problem: Noch schreibt und zeichnet  manch überlebender Satiriker und Karikaturist weiter auch und gerade in Frankreich, auch un...

Corona als Scharfzeichner

Gerade in einer so tiefgreifenden Krise wie der gegenwärtigen, sieht vieles so aus, als könnten wir es durch die Lupe betrachten. Ob wir dadurch klüger werden? DANACH sehen wir weiter. Wir sehen heute schon anders auf die Welt, auf die Dinge, auf die Menschen.  Auch uns selbst können wir anders sehen. Wer sind wir, wie sind wir? Größer, unbeweglicher? War ich vorher schon. Leiser? Rücksichtsvoller? War schon immer schwierig. Wir, eine gewisse Generation, konnten sich einer gewissen Grundfreiheit immer sicher sein (Sex, Drugs and Rock 'n Roll). Ob die Jungen in Zukunft ein Grundgefühl von Unsicherheit nicht mehr loswerden können? Ich hoffe nicht. Der Himmel jedenfalls ist ohne Kondensstreifen blauer denn je. Es ist stiller, die Amsel pfeift lauter.  Selbst die Alptraumschiffe, hören wir, stellen ihre Kreuzzüge ein.  Die Menschen halten Abstand. Die Lagune ist wieder blau. Schauen wir aber ins Netz, ist alles wie immer.  Die Situation kann noch so so dramatisch sei...

Naidoo und kein Ende

Jetzt sind alle wieder ganz erschrocken und tun so, als wäre alles überraschend und neu. Dabei war spätestens nach dem Skandal um den Musikpreis 'Echo' klar, dass dumme Musik und braunes Rap-Getöse schon lange die Musik-Industrie prägten. Der ganze Sumpf an halbgaren Verschwörungstheorien, an Rassismus und Frauenfeindlichkeit - Mainstream - auch Naidoo hat nie etwas anderes geschrieben als Quark. Schon 2017 habe ich dazu einen Eintrag geschrieben mit dem Titel: "Xaver, der wütende Bauer" . Einfach mal nachlesen. In Popland nichts Neues.