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Die Stadt, das Geld und die Kultur


Unter Druck gibt die Stadt viel Geld - Geld, das nötig ist. Zum Beispiel € 2.200.000.- für eine zusätzliche Großleinwand zur Fußballweltmeisterschaft am Rhein, ungedeckt vom Haushalt der Stadt.
Für den nächsten Haushalt sollen € 3.000.000.- mehr für die Sauberkeit in unserer Stadt ausgegeben werden. Das ist nötig, findet auch die grüne Fraktion.

Das ständige Gerede über eine 'Kulturstadt' Köln hatte bis heute, auch nach der kläglich gescheiterten Bewerbung zur 'Kulturhauptstadt Europas' (das wird Essen) natürlich keine Konsequenzen. Auch nicht im Haushalt. Für den normalen Kölner Unterschichtler genügen zusätzliche Mülleimer, um seine Flasche Bier und den Express getrennt wegwerfen zu können. Ein Blick aus dem Mallorca-Flieger auf das blaue Zelt des Musical-Doms, ja, hurra! Dort liegt die 'Kulturstadt'.

SPD und Grüne meinen: Kein Geld zusätzlich für Kultur (immerhin liegen wir ja bundesweit noch an 27. Stelle), der Hauhalt sei nicht gedeckt. Der Kulturdezernent erwartet eine Erhöhung des Haushaltes, damit Köln vielleicht irgendwann einmal doch das Niveau von Leipzig, oder einfach das Niveau von 6% am Gesamtvolumen erreichen kann. Eine Erwartung, die vom KulturNetz Köln, von den Kulturschaffenden, geteilt wird.
Statt uns zu unterstützen, will die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Frau Moritz, eine Strukturdebatte, wieder einmal. Statt endlich mehr Mittel zu bewilligen zur Entwicklung der Kulturlandschaft, soll das Problem 'Kultur' mit mehr Bürokratie gelöst werden: Fusionen im städtischen Bereich, Abschaffung der 'kleinen' Theater, weil die sich nicht rechnen. Der erneute Versuch, die einzige Stärke Kölns, eine weit verflochtene Kultur vieler Häuser, vieler Gesichter, vieler Profile, zu einer verklumpten, verbilligten Zentralkultur zusammenzustreichen.

Aber, sagen die Neunmalklugen, die Stadt muss doch sorgsam mit öffentlichen Geldern umgehen. Übrigens:
Gerade dieser Tage hat Regierungspräsident Hans Peter Lindlar (CDU) entdeckt, dass der Messe-Skandal (viel höhere Ausgaben für die Stadt als nötig), gar kein Skandal ist. Der Deal mit Esch-Oppenheim sei für die Stadt im "zulässigen Rahmen ihres Ermessens" "Zur Vermeidung von finanziellen Risiken" "folgerichtig" gewesen. Schön zu wissen. Vorhang!
Übrigens: ein Drittel der Gesamtsumme, € 56 Millionen, sind bei diesem Deal für den Posten "Projektentwicklung" ausgegeben worden. Übrigens: Wegen Auftragsvergabe ohne Ausschreibung könnten durch die EU noch Strafzahlungen in Millionenhöhe auf Köln zukommen.

Wenn die Kulturschaffenden keine Macht und nur selten eine Lobby haben, ist unsere einzige Möglichkeit: Druck aufbauen. Nach ununterbrochenen Protesten der Theaterszene wurden 2001 (angekündigt als erster Schritt von vielen), im Haushalt € 400.000.- mehr für die freien Theater aufgebracht, weil "die freien Theater die Trumpfkarte der Kultur sind". Und: "Weil wir den Druck und die Proteste nicht länger aushalten wollten", so ein Politiker.
Die Theater wurden beneidet, weil sie durch die Theaterkonferenz eine organisierte Kraft hatten. Diese Kraft ist mittlerweile geschwunden, seit eine handvoll Theater ausgetreten sind, um ausschließlich die eigenen Interessen zu wahren. Unter zunehmendem Separatismus leidet die ganze Szene. Dieser Weg ist eine Sackgasse und macht uns zum Spielball einer Politik, die lieber einfache Lösungen intern abspricht. In diese Falle sollten wir nicht gehen.
Wir können nur für die Kultur gewinnen, wenn wir die Kräfte sammeln, sonst...
Gute Nacht

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